Ambilobe, die Zuckerstadt in Madagaskar

Die Kleinstadt Ambilobe liegt im Norden von Madagaskar und ist nichts als eine Strassenkreuzung

Kilometerstein vor Ambilobe, MadagaskarDie Fernstrasse RN6 führt von Diégo-Suarez, auch Antsiranana genannt, nach Süden bis zur Hauptstadt Antananarivo. In Ambilobe zweigt davon die RN5a ab und führt als schlimme Naturpiste an die Nordostseite Madagaskars nach Vohemar, Sambava, Antalaha.

Eigentlich ist Ambilobe einfach eine Ansammlung von Menschen sowie von Aktivitäten. Regional mag der Ort als Marktplatz wichtig sein, vielleicht auch wegen seiner Schulen. Dass Ambilobe der Königssitz des Antakarana-Volkes ist, wissen nur Einheimische.

Allerdings war Ambilobe früher ein wichtiges Anbaugebiet für Zuckerrohr

Die Ablagerungen des Flusses Mahavavy Nord in der Küstenebene westlich von Ambilobe waren ideal, um ab den 1950er Jahren auf 5500 Hektaren Zuckerrohr anzubauen. Die Ernte dieser grossflächigen industriellen Monokultur wurde in der Fabrik von Ambilobe zu Zucker sowie zu Alkohol verarbeitet. Sie ist heutzutage eine der zwei noch funktionierenden Zuckerfabriken Madagaskars. Einst waren es fünf, aber Ambilobe lieferte immer fast die Hälfte der nationalen Produktion. So ist Ambilobe vor allem als Alkoholfabrikant in Madagaskar bekannt.

Mahavavy-Fluss westlich von Ambolibe, Madagaskar

Ambilobe scheint seine topfebenen Zuckerrohrfelder verschämt hinter einem Ring aus Mangroven verstecken zu wollen. Die Stadt selbst liegt rund 50 km von der Meeresküste entfernt am nordöstlichen Ufer des Mahavavy-Flusses. In ihrem Rücken wellen sich niedrige Hügel auf, wenig bewohnt und schwer zu kontrollieren. Jüngere Leute kennen die Region daher eher als Produktionsgebiet von Cannabis, das in Madagaskar je nach Region „Rongony“ oder auch „Jamal“ genannt wird und überall gern und immer öfter konsumiert wird.

Die vielleicht von 80’000 Menschen bewohnte Stadt ist ein beliebtes Einwanderungszentrum für arme Leute aus dem tiefen Süden auf der Suche nach Arbeit. In Ambilobe werden während der Erntekampagnen von Mai bis November hunderte von Wanderarbeitern beschäftigt. So ist die Region ein Gemisch aus vielen Ethnien Madagaskars.

Das Zugpferd der Region, die Zuckerfabrik, ist völlig veraltet und seit Jahren in den Händen einer chinesischen Firma, die aus dem Zuckerrohr und den Maschinen den letzten Saft drückt

Die Eisenbahn von der Fabrik zum Hafen ist längst nicht mehr in Betrieb. Dabei hiess der Hafen einmal stolz ‘Port Saint Louis’ und verfügte über einen Quai, Lagerhallen und eine Schiffswerft. Dies alles ist heute allenfalls noch für Industriearchäologen interessant.

Ambilobe gehörte zur Provinz Antsiranana und befindet sich nach der administrativen Neuaufteilung Madagaskars in der Region Diana, weiterhin dominiert von Antsiranana (Diégo-Suarez). Touristisch spielt Ambilobe keine Rolle, obwohl nur zwei Dutzend Kilometer nördlich das Ankarana-Massiv mit seinen phänomenalen Kalksteinspitzen (Tsingy) beginnt.

Ambilobe scheint das Schicksal erdulden zu müssen, einfach eine Strassengabelung zu sein, an der sich ein paar Menschen niedergelassen haben. Dass Ambilobe der Geburtsort des vor 25 Jahren eher glücklosen Präsidenten Albert Zafy ist, interessiert kaum mehr jemanden.

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