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Unterwegs in Madagaskar – mit diesen Worten kommt man weiter

Wer in Madagaskar reist wird viele freundliche Menschen treffen. Wer kein Madagassisch spricht kommt meist mit Französisch weiter, in den Städten auch hin und wieder mit Englisch. Doch ein paar Worte der Landessprache öffnen bekanntlich Türen und Herzen…so auch in Madagaskar.

Ein netter Gruss auf Madagassisch
In Madagaskar gibt es viele regionale Grussworte, wie Anakory oder Tsarabe. Sie werden nur in bestimmten Gebieten gebraucht, und zugleich sehr variabel ausgesprochen, teils auch in unterschiedlichen Stimmlagen singend ausgeschmückt und otfmals mit einem langgezogenen „e“ am Ende abgeschlossen. Als Reisender ist dies verwirrend und kaum imitierbar.
Das „Zauberwort“ lautet daher „Salama“. Denn dieser Gruss wird auf der ganzen Insel Madagaskar gleichermassen verwendet, es ist sozusagen das Allerweltsgrusswort in Madagaskar. Ausgesprochen wie geschrieben (eine Seltenheit in Madagaskar) wird auf diese Weise grüssenden Reisenden mit freudig-erstaunten Reaktionen begegnet werden.

Smalltalk und Gruss für Madagaskar-Insider
Vaovao (ausgesprochen wie das Hundebellen wauwau) ist eigentlich eine Grussfloskel, drückt aber auch Wissbegierde und Neugier aus, denn im eigentlichen Sinn bedeutet Vaovao „Was gibt es Neues?“. Typischerweise lautet eine Begrüssung unter Madagassen „Salama, vaovao?“. Die typische Antwort auf diese Frage lautet in 95% der Fällen „Tsy Vaovao – Es gibt keine Neuigkeiten“. Nach der Gegenfrage und der gleichen Antwort beginnt dann das eigentliche Gespräch. Mit dieser Floskel im Gepäck ernten Madagaskar-Reisende ganz sicher ein überraschtes Lächeln.

Offene Abschiedsworte
Zu jeder Reise gehören auch Abschiedsworte. Sich formell zu verabschieden hat auch in Madagaskar Tradition. In Madagaskar wird es geschätzt, wenn man sich nicht leise davonschleicht, beispielsweise wenn man ein Restaurant oder Hotel verlässt. Mit einem offenen „Veloma!“ (gesprochen „veluuma“, vielleicht sogar mit dabei gehobener Hand, zeigt man als Reisender, dass man im Land angekommen ist. Veloma bedeutet auf Wiedersehen.

Danke vielmals
Die Kultur und die Umgangsformen in Madagaskar sind sehr höflich und ruhig. Oft wirkt der Umgang untereinander fast etwas rituell, vor allem im traditionellen Umfeld. So kann es passieren, dass jemand beispielsweise seine linke Hand auf seinen rechten Unterarm legt und sich bückt, wenn er Ihnen die Hand reicht. Mit dieser etwas unterwürfigen Geste wird Wertschätzung ausgedrückt. Auch ein Dank gilt als wichtige Anerkennung. Als Reisender und Gast liegt man nie falsch, sich mit einem freundlichen „Misaotra“ (gesprochen „misautra“) zu bedanken. Damit werden Sie bestimmt in guter Erinnerung bleiben.

Eine gute Sache
Die madagassische Sprache kennt eine ganze Spannbreite an Ausdrücken und Redewendungen, die Wohlbefinden und Beurteilungen bezeichnen. Mit „Tsarabe“ (gesprochen „tsa ra be“) drücken Sie als Reisender aus, dass etwas gut ist. Das kann das Essen sein, oder ein gekauftes Mitbringsel. „Tsarabe“ ist auch Ausdruck von allgemeinem Wohlbefinden und Zufriedenheit, und kann zudem als motivierender Zuspruch verwendet werden. Mit einem aufmunternden „Tsarabe“ drückt man seine Wertschätzung aus und die fällt überall auf fruchtbaren Boden in Madagaskar.

Hira Gasy – Madagaskars traditionelles Straßentheater erleben

In Madagaskar werden bis heute viele traditionelle religiöse und kulturelle Aktivitäten gelebt und zelebriert. Dazu gehört auch das traditionelle madagassische Straßentheater Hira Gasy.

Hira Gasy ist eine Art Sprech- und Musiktheater, das von Folklore-Gruppen (Mpihira Gasy) im Freien aufgeführt wird. Der Hira Gasy nimmt aktuelle politische und gesellschaftliche Themen auf und hat meist eine religiöse oder moralische Botschaft. Bis heute hat dieses Schauspiel einen regelrechten Volksbildungsauftrag in Madagaskar.

Hira Gasy Gruppen werden oft zur Begleitung von religiösen Festen eingeladen, so auch zur traditionellen madagassischen Totenumbettung Famadihana. An Wochenenden können die unterhaltsamen und vielseitigen Vorführungen des Erzähltheaters mit musikalischer Untermalung in vielen Orten der Insel – vor allem im Hochland – verfolgt werden.

Bei öffentlichen Aufführungen treten oft zwei Gruppen gegeneinander an. Sie improvisieren dann über ein im Vorfeld festgelegtes Thema. Liebe, Politik, Moral und Philosophie sind gängige Inhalte.

Zu einer Hira Gasy-Gruppe gehören Schauspieler, Tänzer und Musiker. Die Aufführungen sind nach einer ganz bestimmten Struktur aufgebaut und dauern oft mehrere Stunden. Dabei kommen verschiedene Elemente vor:  Reden (Kabary), kurze Gedichte (Hain-teny), lyrische Vorträge (Tolonkano) und die typischen madagassischen Sprichwörter (Ohabolana) werden abwechselnd in ein Stück zwischen den musikalischen Elementen eingebaut.

Bereits das Anlegen der Kostüme gehört zum Hira Gasy-Stück. Eine Rede ist der offizielle Start und erläutert den Fortgang der Geschichte. Sie wird meist vom Anführer der Gruppe oder dem ältesten Mitglied vorgetragen. Es folgt der Hauptteil mit einem Gesang der Frauen, begleitet von tänzerischen Handbewegungen und mehreren Stellungswechseln. Im Anschluss werden Tanzeinlagen gezeigt, die teils wild und abgehackt wirken und akrobatische Elemente haben. Zum Ende der Vorstellung kommen Gesänge, in denen neue Themen angeschnitten werden.

Die Zuschauer werden in den Hira Gasy mit einbezogen. Sie feuern die Truppen mit Zwischenrufen an. Während besonders gelungener Passagen werfen die Zuschauer auch gerne Geldstücke auf die Bühne.

Eine Hira-Gasy-Theatergruppe besteht aus mindesten dreißig Mitgliedern, die sehr eng miteinander verbunden sind.  Oft sind ganze Familien Teil einer Gruppe, auch ein Koch und ein traditioneller Heiler gehören fast immer dazu. Die Gruppen werden übrigens oft von Frauen geleitet.

Der Hira Gasy hat seine Ursprünge teils in Südostasien und Ozeanien. Einige Elemente erinnern daher an südostasiatische Tänze oder asiatische Kampfkunst.

Für Reisende ist die Teilnahme an einer Hira Gasy-Veranstaltung ein eindrückliches Erlebnis der madagassischen Kultur. Auch wenn die Inhalte wohl nicht verstanden werden ist es eine Möglichkeit, die Stimmung des Landes wahrzunehmen und Teil dieser einmaligen Tradition zu sein. PRIORI kann Ihnen weitere Informationen zu Hira Gasy geben und den Besuch einer Vorstellung organisieren.

Reise-Verständigung in Madagaskar

Als Reisender können Sie sich auf der gesamten Insel meist gut mit Französisch verständigen, vor allem in den Städten. Angestellte im touristischen Bereich sprechen manchmal auch etwas Englisch.

Ein paar Worte Malagasy für den alltäglichen Gebrauch erleichtern aber einiges – und öffnen Türen und Herzen:

Deutsch Malagasy Aussprache
Guten Tag/ Hallo Salama Salaam
Manao ahoana Mano oun
Auf Wiedersehen Veloma Veloum
Danke Misaotra Misoutr
Bitte/ Entschuldigung Azafady Asafad
Wie viel kostet…? Ohatrinona…? Odschin
(Sehr) gut Tsara (Be) Tsara (Be)

Für die Reise zu empfehlen ist der handliche Sprachführer vom Verlag Reise Know-How: Kauderwelsch Madagassisch – Wort für Wort Band 41 von Helena Voahanginirina Odendahl

Madagassisch – Einführung in die Sprache der Großen Insel

Madagaskar wird durch die gemeinsame Sprache Madagassisch (auch Malgache bzw. Malagasy genannt) geeint. Sie wird von der Mehrheit der Bevölkerung aller Ethnien gesprochen und ist die offizielle Sprache der Insel. Madagassisch wird zudem von einigen alten Exil-Madagassen auf den Komoren gebraucht. Daneben ist Französisch Amtssprache in Madagaskar.

Herkunft der Sprache

Madagassisch stammt im wesentlichen von der Indonesischen Sprache ab (westindonesischer Zweig der malayo-polynesischen Sprachfamilie), ist jedoch von afrikanischen und arabischen Worten durchsetzt.

Die Sprache ist sehr uniform, dennoch kann sie in zwei oder drei Dialekte eingeteilt werden: eine Variante im Westen und Süden und eine weitere im Osten und im Zentrum und als dritte Variante ein Gemisch aus den ersten beiden Dialektformen im Norden.

Besonderheit der Sprache

Die Sprache Madagassisch fördert eine blumige und stark beschreibende Ausdrucksweise. Die Madagassen lieben Bedeutungen, feinsinnige Wortnuancen und doppelbödige Wortspiele. Dies kommt in Reden oder madagassischer Poesie zum Ausdruck, ebenso wie in Wortbildungen der Alltagssprache. So heißt z.B. das Wort für Sonne „masoandro“ wörtlich übersetzt „Auge des Tages“.

In alle Darbietungen und zu verschiedenen Anlässen streuen Madagassen gerne Sprichwörter (ohabolana) ein, die aus den vielen jahrhundertealte Volksweisheiten stammen und bis heute als Weisheit der Ahnen angesehen werden.

Auch in Ortsnamen schlägt sich die Bildlichkeit der Sprache nieder. Auch wenn man oft keine eindeutigen Gründe für die Namensgebung nachvollziehen kann, so kann man häufig Wortelemente finden, die auf die Eigenschaften des Ortes Bezug nehmen: ‚be‘ (gross), ‚vato‘ (Stein), ‚hazo‘ (Wald) und viele andere.