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Tabus in Madagaskar – die Fady

Eine wichtige Rolle in Madagaskar spielen bis heute die Fady.
Was hat es damit auf sich?

Fady sind bestimmte traditionelle Tabus und Verhaltensegeln. Sie regeln in Madagaskar von jeher das Funktionieren der Gesellschaft und verankern einen Menschen in seiner sozialen Umgebung. Fady sind in allen Volksgruppen der Insel verbreitet. Sie müssen von der Bevölkerung (und teils auch von Reisenden) eingehalten werden.

Für Außenstehende sind Fady eine Wissenschaft für sich.

Es können ganz verschiedene Dinge mit einem Fady belegt sein: Einzelne Handlungen, Lebewesen, Gegenstände, Orte und Wörter. Viele Tabus für jeden gültig und allgemein bekannt, andere sind so speziell und individuell, dass sie niemals öffentlich werden dürfen. Manche Fady sind sozial, zeitlich und örtlich begrenzt. Manche Fady betreffen nur eine Familie und werden von Generation zu Generation weitervererbt.

Fady bedeutet: ‚Du sollst nicht‘, und ist immer eine Warnung.

Ein madagassische Sprichwort sagt: Ich würde lieber sterben, als etwas essen, das Fady ist. Eine Missachtung von Fady – auch unbeabsichtigt – bedeutet, dass man als „unsauber“ gilt, vom sozialen Umfeld ausgeschlossen werden kann oder sich selbst nicht mehr zugehörig fühlt, eine Bestrafung erhält oder sogar stirbt. Eine Krankheit wird eigentlich immer zuerst als Nichteinhaltung eines Fady (ota fady) zurückgeführt.

Für Reisende in Madagaskar sind Fady nur bedingt allgegenwärtig.

So wird z.B. bei Wanderungen darauf hingewiesen, dass zu bestimmten Orten kein Schweinefleisch und kein Knoblauch mitgebracht werden darf, oder dass auf Grabmäler nicht mit dem ausgestreckten Zeigefinger gezeigt werden soll.

Es schadet nie, sich der Tradition bewusst zu sein und nachzufragen, wo man sich unsicher ist.

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