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Litschis aus Madagaskar

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit kann man Litschis aus Madagaskar in europäischen Supermärkten  entdecken. Die kleinen runden und stacheligen Früchte mit dem weiß-rosigen Fruchtfleisch sind aromatische Vitaminbomben.

Ursprünglich aus China stammend hat Madagaskar als Exporteur der Früchte in Europa mittlerweile einen Anteil von 70 Prozent und gilt damit als wichtigster Litschi-Lieferant.
Weltweit liegt Madagaskar im Export der Früchte hinter China und Indien. Denn von der riesigen Ernte in Madagaskar werden nur 15% exportiert, der Rest bleibt auf der Insel.

Vor allem im Osten und im Südosten Madagaskars finden sich Litschi-Plantagen, da Litschis  viel Regen und Wärme brauchen, um zu wachsen. Die Ernte muss während einer sehr kurzen Periode von etwa zwei Wochen Ende November und im Dezember erfolgen, im Anschluss müssen sie möglichst schnell Europa erreichen, um dort in guter und frischer Qualität angeboten werden zu können. Mittlerweile finden sich übrigens auch einige biologische Litschi-Produzenten in Madagaskar.

Letzte Woche haben bereits zwei Schiffe mit insgesamt 14.000 Tonnen Litschis an Bord Europa erreicht. Eine weitere Ladung wird erwartet, so dass jetzt, im Dezember 2015, insgesamt bis zu 22.000 Tonnen Litschis aus Madagaskar in europäischen Läden zu finden sein werden.
Neben den madagassische Litschis sind in den Supermärkten hier auch Litschis aus Südafrika, Mosambik, Mauritius und La Réunion zu finden. Madagaskar liefert zudem auch an die arabischen Länder Dubai und Saudi-Arabien.

Und wer zwischen November und Januar nicht hier im kalten Europa, sondern in Madagaskar auf Reisen ist, der findet die Litschis natürlich überall auf den Märkten vor Ort und kann sie frisch geniessen.

Madagaskars Wirtschaft – ein Überblick

Wirtschaftliche Lage

Obwohl Madagaskar reich an natürlichen Ressourcen ist und über großes wirtschaftliches Potential verfügt, ist die madagassische Bevölkerung ärmer denn je. In den letzten 50 Jahren wurde Madagaskar von einem einigermaßen wohlhabenden Land zu einer der ärmsten Nationen der Welt – mehr als 90% der Madagassen lebten 2014 unter der internationalen Armutsgrenze von 2 US Dollar pro Tag.

Seit der madagassischen Unabhängigkeit im Jahr 1960 konnte das Land sich nie einen Ruf aufbauen, politisch stabil und investorenfreundlich zu sein. Protektion, Bestechung und Mangel an Transparenz sind bis heute Kennzeichen des Wirtschaftsgebarens in Madagaskar.

Die wenigen wirtschaftlichen Aufschwung-Phasen wurden immer wieder durch politische Unruhen mit Ausschreitungen, Plünderungen und Militäreinsätzen zunichte gemacht – so auch im Jahr 2009. Für exportierende Unternehmen hatte dies einen vehementen Rückgang der Aufträge zur Folge,  gleichzeitig schwand das Interesse potenzieller ausländischen Investoren und Touristen blieben aus. Die ökonomischen Auswirkungen waren gravierend und die Arbeitslosigkeit in Madagaskar stieg extrem an. Da das 2009 an die Macht geputschte Regime international nicht anerkannt wurde, wurden zu diesem Zeitpunkt auch die Geldflüsse internationaler Unterstützer ausgesetzt. Dies belastete den bis zu 30% von diesen Geberleistungen abhängigen Staatshaushalt Madagaskars enorm.

Bis heute kämpft Madagaskar mit den Folgen des Putsches von 2009. Auch wenn seit 2014 wieder ein demokratisch gewählter Präsident regiert und die internationalen Hilfsleistungen wieder aufgenommen wurden ist Madagaskar wirtschaftlich lange nicht dort, wo es schon einmal war. Ausländische Investoren fehlen weiterhin, denn bis heute sind die Voraussetzungen und die Anreize für sie schwach und unstabil. Auch die Touristenzahlen sind noch nicht wieder dort angelangt, wo sie 2008 waren.

Wirtschaftszweige in Madagaskar

Madagaskar Vanille Schoten grün am Baum PRIORI ReisenMadagaskar ist ein Agrarland. Vanille, Gewürznelken, Sisal, Kakao und Fisch  bzw. Garnelen sind die wichtigsten landwirtschaftlichen Exportgüter, ebenso wie einige Früchte, darunter Litschis.  Madagaskar ist der weltweit größte Produzent für Vanille und bekannt für hochwertige Garnelen und seinen Pfeffer. Die in den 1990er Jahren große Kaffeeproduktion ist mit den drastisch sinkenden Weltmarktpreisen sehr zurückgegangen und spielt heute kaum mehr eine Rolle.

Bis heute findet die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Export-Produkte in Madagaskar mit einfachen handwerklichen Mitteln oder in Handarbeit statt und ist oft wenig effiizient, so z.B. die Trocknung von Nelken und Pfeffer. Eine Agroindustrie für die Veredelung von Exportprodukten existiert kaum.

Markt_Hochland_Madagaskar_Stand_Knollen_Wurzelgemüse_PRIORI-ReisenDer Anteil an reiner Subsistenz-Landwirtschaft ist in Madagaskar sehr hoch. Die allermeisten landwirtschaftlichen Betriebe sind – oft kleinflächige – Familienunternehmen. Diese müssen oft arbeitslose und unterbeschäftigte Familienmitglieder mittragen. Der Landwirtschaft-Sektor ist ein Sammelbecken für einen wesentlichen Teil der madagassischen Bevölkerung, der sich anderswo nicht produktiv betätigen kann. Hauptsächlich für den Eigenbedarf angebaut werden Grundnahrungsmittel Reis, Maniok und Mais. Madagaskar hat den größten Reisverbrauch pro Kopf auf der Welt. Da die Bevölkerung schnell wächst und die bis heute traditionellen Anbaumethoden mit dem erhöhten Bedarf nicht mitkommen, muss Reis mittlerweile auch zusätzlich importiert werden. Auch viele weitere Lebensmittel muss Madagaskar heute aufgrund der schnell wachsenden Bevölkerung importieren.

Madagaskar hat vor allem im Süden des Landes große Vorkommen an Mineralien und Bodenschätzen. Große Bergbauvorhaben zum Abbau von Titan, Nickel und Kobalt finden sich auf der Insel. Sie sind fast ausschließlich in ausländischer Hand, ebenso wie der Abbau und Handel mit Edelsteinen. Nach ersten Funden wird die Erdölsuche im Kanal von Mosambik weiter vorangetrieben.  Bislang muss Madagaskar Erdöl importieren.

Wirtschaftliche Bedeutung hat auch die Textilfertigung und Kleidung aus Madagaskar.

Große Hoffnungen für die wirtschaftliche Entwicklung Madagaskars werden auf den Tourismus gesetzt. Nachdem sich die Tourismuszahlen zwischen 2002 und 2008 verdoppelt hatten, brachen sie mit der politischen Krise 2009 wieder drastisch ein. Bis 2013  kamen die Touristenzahlen nicht wieder auf den Stand von 2008.

Wichtige Handelspartner von Madagaskar

Aufgrund der Geschichte war Frankreich lange Zeit der wichtigste Handelspartner Madagaskars. Noch heute gehen etwa ein Drittel der madagassischen Exporte nach Frankreich. Ein weiteres Fünftel der Exportgüter geht in andere europäische Länder. Mit dem Afrikanischen Handelsabkommen Africa Growth and Opportunity Act (AGOA), welches förderfähigen Ländern in Subsahara-Afrika erlaubte, Waren zollfrei in die USA zu exportieren, wuchs der Handel zwischen Madagaskar und den USA in den 2000er Jahren erheblich und der Export-Anteil lag zwischenzeitlich bei etwa 35%. Mit dem Putsch im Jahr 2009 flog Madagaskar aus dem Abkommen und der Handel nach Amerika brach ein. Heute liegt der Anteil unter 10%. China wird als Wirtschaftspartner immer bedeutender für Madagaskar. Der Handel wächst beständig an und der Export-Anteil lag im Jahr 2014 bei etwa 10%.

Zum wirtschaftlichen Aufschwung Madagaskars fehlt noch sehr vieles: von Dünger und Saatgut, Ersatzteilen und Rohstoffen, über Infrastruktur und Kommunikation, bis hin zu geregelten transparenten gesetzlichen Rahmen und effizienter Verwaltung, vor allem aber auch weiterhin in- und ausländisches Kapital und Investitionen.

Gleichzeitig stehen genügend Arbeitskräfte im Land zur Verfügung. Und zwar nicht nur ungelernte Zuwanderer aus ländlichen Gebieten, sondern auch gelernte und qualifizierte, motivierte Fachkräfte. Die Bevölkerung ist jung und viele Madagassen wünschen sich nichts dringlicheres, als irgendwo eine Chance zu erhalten, um ihr Können zu zeigen und sich zu beweisen.

Ein- und Ausfuhr von Gütern nach Madagaskar

Es gibt strenge Import- und Export-Regeln für Madagaskar. Als Reisender sollten Sie sich mit den grundlegenden Vorgaben vertraut machen.

Einfuhr von Gütern

Personen über 18 Jahre dürfen u.a. folgende Mengen zollfrei einführen:

  • Gegenstände des täglichen Bedarfs
  • 1 Liter Alkohol
  • 25 Zigarren oder 500 Gramm Tabak oder 500 Zigaretten
  • Kleidung (für nicht-kommerzielle Zwecke)
  • Devisen können in unbegrenzter Höhe ein- und ausgeführt werden. Ab einem Gegenwert von 7.500 Euro müssen Sie bei Einfuhr deklariert werden.
  • Schmuck und wertvolle elektronische Geräte (wie Videokameras) müssen bei der Einreise deklariert werden.
  • Parfüm darf nicht zollfrei eingeführt werden.

Ausfuhr von Gütern

  • Bestimmte Edel- und Halbedelsteine, Schmuck, Holzschnitzereien, Schmetterlinge und geschliffene Steine dürfen nur mit einer gültigen Ausfuhrgenehmigung ausgeführt werden. Das geeignete Formblatt erhalten Sie beim Einkauf auf dem Markt.
  • Strengstens verboten ist der Export von Fossilien, seltenen Tieren und Pflanzen und diversen Kulturgütern (z.B. alten Holzstatuen).
  • Die Ausfuhr von Obst, Gemüse und Pflanzen benötigt eine Bestätigung der Phytosanitären Behörden. Diese erhalten Sie beim Abflug in Antananarivo auf Nachfrage.

Wir empfehlen, mit dem Reiseleiter oder unseren PRIORI-Kollegen vor Ort zu sprechen, wenn Sie Dinge kaufen möchten und sich nicht sicher über die Richtlinien sind. Sie können Ihnen meist weiterhelfen.

Stand der Informationen ist 2014.
Weitergehende Zollinformationen zur Einfuhr von Waren erhalten Sie bei der Botschaft Madagaskar. Nur dort kann Ihnen eine rechtsverbindliche Auskunft gegeben werden.