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Famadihana in Madagaskar

Die Rolle der Vorfahren

Die Vorfahren nehmen bei den meisten Madagassen eine bedeutende Stellung im Leben ein.  Für sie gibt es weder Himmel noch Hölle oder Wiedergeburt. In Madagaskar glauben die Menschen, dass man nach dem Tod mit den eigenen Ahnen (Razana) vereint wird und gemeinsam über die Lebenden wacht. Die Welt der Ahnen ist mit dem Leben eng verwoben und allgegenwärtig. Verschiedene Riten, und die Grabkultur auf Madagaskar spiegeln dies wider.

Verbindung zwischen Tod und Leben

Die Umbettung der Toten – genannt Famadihana – gehört zu jenen Bräuchen, die die Welt der Toten und der Lebendigen verbinden. Die Famadihana ist das Wiedersehen mit den verstorbenen Mitgliedern der Familie. Gleichzeitig ist es auch eine Zusammenkunft der Familie, die den Zusammenhalt stärken soll. Hinter der Famadihina steht eine sehr alte Tradition, die von den ersten Einwanderern aus Indonesien nach Madagaskar gebracht wurde.

Sie gilt als das eines der wichtigsten Familienfeste auf der Insel. Praktiziert wird sie hauptsächlich von den Volksstämmen im Hochland von Madagaskar – daneben gibt es auch verschiedene Varianten in  anderen Teilen Madagaskars.

Ablauf einer Famadihana

Das Fest dauert normalerweise drei Tage und wird in unterschiedlichen Abständen von etwa 5-7 Jahren durchgeführt. Eine Famadihina findet immer in der kalten Jahreszeit, zwischen Juli und September, statt.

Während der Famadihina werden die Familiengräber geöffnet. Die Toten, die in weiße Leinen-Tücher (Lamba mena) gewickelt sind,  werden herausgenommen und in neue Tücher gehüllt. Zu betonen ist, dass man zu keinem Zeitpunkt die Körper sieht. Die eingewickelten Ahnen werden den Lebenden gezeigt und anschließend wieder in die Grabstätte gelegt. Am dritten Tag einer Famadihina kommen Musikgruppen, die traditionelle Musik, Tanz und Theaterstücke (Hira Gasy) vorführen.

Für Familienmitglieder ist die Teilnahme an der Totenumbettung Pflicht. Sie reisen daher aus allen möglichen Teilen Madagaskars oder auch von weither an.
Obwohl eine Famadihana immer ein intimes Familienfest mit ihren Verstorbenen ist, sind neben den Angehörigen auch Freunde, Nachbarn und weitere Gäste anwesend. Meist ist es ein riesiges Fest mit bis zu mehreren Hundert Teilnehmern. Die ausrichtende Familie versorgt das ganze Dorf mit Speisen und Getränken.

Teilnehmen an einer Famadihana – PRIORI macht es möglich

Auch Reisende können an einer Leichenumwendung teilnehmen – vorausgesetzt sie bringen das nötige Verständnis, Respekt und viel Zeit mit.

PRIORI kann einen Besuch bei einer Famadihana bei befreundeten Familien organisieren. Dabei gilt jedoch: Wer nur eine Stunde teilnehmen möchte, ist fehl am Platz. Eine Famadihana ist in Madagaskar nirgendwo ein nur für Touristen gemachtes Event. Nirgendwo.

Aus Respekt gegenüber der Familie, die uns vertraut, können und wollen wir dieses wichtigste Fest einer Familie in keinem Fall entwürdigen.

Beachten Sie auch, dass der Umgang mit den Toten für westliche Gemüter eventuell sehr ungewohnt und verstörend sein kann. Überlegen Sie im Voraus gut, ob Sie sich in der Lage sehen, an den Aktivitäten teilzuhaben.

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