Archiv der Kategorie: Kultur und Sprache

Artikel und Informationen über die Sprache, sprachliche Besonderheiten, Literatur, Musik, Tänze und kulturelle Bräuche. Ebenso wird hier das Thema Religion behandelt.

Unterwegs in Madagaskar – mit diesen Worten kommt man weiter

Wer in Madagaskar reist wird viele freundliche Menschen treffen. Wer kein Madagassisch spricht kommt meist mit Französisch weiter, in den Städten auch hin und wieder mit Englisch. Doch ein paar Worte der Landessprache öffnen bekanntlich Türen und Herzen…so auch in Madagaskar.

Ein netter Gruss auf Madagassisch
In Madagaskar gibt es viele regionale Grussworte, wie Anakory oder Tsarabe. Sie werden nur in bestimmten Gebieten gebraucht, und zugleich sehr variabel ausgesprochen, teils auch in unterschiedlichen Stimmlagen singend ausgeschmückt und otfmals mit einem langgezogenen „e“ am Ende abgeschlossen. Als Reisender ist dies verwirrend und kaum imitierbar.
Das „Zauberwort“ lautet daher „Salama“. Denn dieser Gruss wird auf der ganzen Insel Madagaskar gleichermassen verwendet, es ist sozusagen das Allerweltsgrusswort in Madagaskar. Ausgesprochen wie geschrieben (eine Seltenheit in Madagaskar) wird auf diese Weise grüssenden Reisenden mit freudig-erstaunten Reaktionen begegnet werden.

Smalltalk und Gruss für Madagaskar-Insider
Vaovao (ausgesprochen wie das Hundebellen wauwau) ist eigentlich eine Grussfloskel, drückt aber auch Wissbegierde und Neugier aus, denn im eigentlichen Sinn bedeutet Vaovao „Was gibt es Neues?“. Typischerweise lautet eine Begrüssung unter Madagassen „Salama, vaovao?“. Die typische Antwort auf diese Frage lautet in 95% der Fällen „Tsy Vaovao – Es gibt keine Neuigkeiten“. Nach der Gegenfrage und der gleichen Antwort beginnt dann das eigentliche Gespräch. Mit dieser Floskel im Gepäck ernten Madagaskar-Reisende ganz sicher ein überraschtes Lächeln.

Offene Abschiedsworte
Zu jeder Reise gehören auch Abschiedsworte. Sich formell zu verabschieden hat auch in Madagaskar Tradition. In Madagaskar wird es geschätzt, wenn man sich nicht leise davonschleicht, beispielsweise wenn man ein Restaurant oder Hotel verlässt. Mit einem offenen „Veloma!“ (gesprochen „veluuma“, vielleicht sogar mit dabei gehobener Hand, zeigt man als Reisender, dass man im Land angekommen ist. Veloma bedeutet auf Wiedersehen.

Danke vielmals
Die Kultur und die Umgangsformen in Madagaskar sind sehr höflich und ruhig. Oft wirkt der Umgang untereinander fast etwas rituell, vor allem im traditionellen Umfeld. So kann es passieren, dass jemand beispielsweise seine linke Hand auf seinen rechten Unterarm legt und sich bückt, wenn er Ihnen die Hand reicht. Mit dieser etwas unterwürfigen Geste wird Wertschätzung ausgedrückt. Auch ein Dank gilt als wichtige Anerkennung. Als Reisender und Gast liegt man nie falsch, sich mit einem freundlichen „Misaotra“ (gesprochen „misautra“) zu bedanken. Damit werden Sie bestimmt in guter Erinnerung bleiben.

Eine gute Sache
Die madagassische Sprache kennt eine ganze Spannbreite an Ausdrücken und Redewendungen, die Wohlbefinden und Beurteilungen bezeichnen. Mit „Tsarabe“ (gesprochen „tsa ra be“) drücken Sie als Reisender aus, dass etwas gut ist. Das kann das Essen sein, oder ein gekauftes Mitbringsel. „Tsarabe“ ist auch Ausdruck von allgemeinem Wohlbefinden und Zufriedenheit, und kann zudem als motivierender Zuspruch verwendet werden. Mit einem aufmunternden „Tsarabe“ drückt man seine Wertschätzung aus und die fällt überall auf fruchtbaren Boden in Madagaskar.

Soatanana – Madagaskars weißes Dorf

Eine Besonderheit und ein eindrückliches Erlebnis auf jeder Madagaskar-Reise ist der kleine beschauliche Ort Soatanana, auch „das weiße Dorf“ genannt.

Soatanana liegt etwa vierzig Kilometer westlich von Fianarantsoa im madagassischen Hochland, eingebettet in Hügel. Der Ort wurde im späten 19. Jahrhundert von einem Mann namens Rainisoalambo gegründet.

Soatanana ist eines der vier große „Toby“ (Zentren) der Mpiandry in Madagaskar. Die anderen drei sind Ankaramalaza, Farihimena und Manolotrony.

Über 600 der 1.000 Einwohner von Soatanana sind „Mpiandry“ (= „Schäfer“) und gehören zur „Kirche der Apostel“. Diese religiöse Gemeinschaft hat etwa 6000 Anhängern in Madagaskar. Ihr Ursprung liegt nicht in der Lehre, die ausländische christliche Missionare im 19. Jahrhundert nach Madagaskar brachten, sondern in der Erkenntnis, dass die Gründer eigene heilige Schriften besaßen.

Soatanana weißes Dorf MadagaskarDie  „Schäfer“ in Soatanana kleiden sich ausschließlich in langen, weißen Lambas (traditionelle madagassische Schals) und Roben. Sie folgen genau den gleichen Regeln und widmen ihr Leben guten Taten. Einige biblische Riten werden stets wiederholt, z.B. einander die Füße zu waschen. Jeden Sonntag ziehen die Anhänger singend zur Kirche Soatananas. Diese regelmäßige Prozession durch den Ort ist beeindruckend und bietet ein imposantes Bild – es ist eine weiße Flut mit wogenden inbrünstigen Gesängen.

Soatanana Hochland MadagsakarSoatanana ist eine sehr fortschrittliche und enge Dorfgemeinschaft. Es gibt dort eine Privatschule, eine Krankenstation und Stromversorgung, die von den Bewohnern selbst finanziert wurden. Die Reisfelder sind Gemeindegut – sie werden gemeinsam bestellt und die Ernte versorgt alle Angehörigen.

Madagsakar-Reisende können diesen besonderen Ort jederzeit besuchen und am Alltag der Mpiandry teilhaben. Die Menschen dort empfangen Gäste freundlich und offen. Vor allem Sonntags lohnt sich ein Abstecher, denn auch an den Prozessionen kann teilgenommen werden.



PRIORI kann Ihnen gerne weitere Informationen zu Soatanana geben und Ihnen ein individuelles Reiseprogramm zusammenstellen.

Madagaskar: Spiele und Freizeitaktivitäten

Welche Spiele gehören zur Kultur Madagaskars? Und wie gestaltet die Bevölkerung Madagskars ihre Freizeit? 

Jedes Land hat typische Spiele, Freizeitaktivitäten und Beschäftigungen, denen viele Menschen dort nachgehen. Sie gehören zur Gesellschaft und zeigen das Lebensgefühl und oft auch die Themen der Bevölkerung.

Madagaskars Bevölkerung lebt zum großen Teil auf dem Land und leben von Landwirtschaft. Die meisten madagassischen Erwachsenen wie Jugendlichen sind in einen festen Arbeitstag eingebunden, der nicht viel Spielraum für Freizeitbeschäftigungen lässt. Für sie bieten der sonntägliche Kirchenbesuch oder der wöchentliche Markt Abwechslung zum arbeitsreichen Alltag. Daneben sind Feierlichkeiten, egal ob fröhliche und traurige, immer ein willkommenes und spezielles Erlebnis. 

Freizeitaktivitäten in Madagaskar

Das Wort Freizeit kennt man kaum in Madagaskar – wenn, dann ist es meist ein Wort der städtischen Bevölkerung. Bis heute herrscht in den meisten Orten Madagaskars ein Unterangebot an Freizeitaktivitäten und den meisten Madagassen fehlt auch einfach das Geld dafür.

Tischfussball, genannt „baby foot„, hat seit einiger Zeit großen Erfolg in Madagaskar. Die Kästen werden in artisanaler Weise im kleinen Ort Ambatolampy südlich von Antananarivo hergestellt. In allen möglichen Farbkombinationen und mit liebevoll gefertigten Mannschaften (teils sind sogar die Trikots wählbar) werden die baby foots gefertigt und auf der ganzen Insel vertrieben. Die Kicker-Kästen finden sich auf Gehsteigen, öffentlichen Plätzen und vor Essbuden und sind so gut wie immer von eifrigen Jugendlichen umlagert.

Kino Videothek in MadagaskarIn vielen Orten der Insel haben sich mittlerweile auch Kleinkinos etabliert, in denen für wenig Geld in überfüllten kleinen Räumen Videos zeigen. Die Filme sind dabei meist raubkopierte Versionen drittklassiger Krimis, schnell gedrehter Kung-Fu-Filme oder billiger Erotikclips.

 

Hahnenkämpfe sind in Madagaskar beliebt. Sie gelten als Sport des armen Mannes. Am Wochenende ziehen viele Jungs und Männer mit ihrem Hahn unterm Arm zum Kampfplatz, um dort ihr Glück zu versuchen. Oft wird um einen Monatslohn oder mehr pro Hahn gewettet. Viele Orte in Madagaskar, vor allem im Hochland, haben ihren eigenen Kampfplatz für dieses Schauspiel. In Antananarivo finden sich drei Kampfplätze: in Ambatoroka, Ambohibao und Sabotsy-Namehana.

An der Küste Madagaskars wird häufig diamanga praktiziert: eine Art Faustkampf zu Schauzwecken, bei denen sich zwei Kämpfer an an Händen festhalten und sich gezielte Tritte mit den Fusssohlen versetzen.

Kung-Fu ist in Madagaskar seit 1992 wieder salonfähig. Der Kampfsport hatte 1984 zu einer blutigen Staatsaffäre gegeben und war anschließend lange Zeit verboten.

Spielzeug und Spiele in Madagaskar

Spielzeug Madagaskar Junge mit Autoreifen PRIORI ReisenMadagaskars Kinder kreieren sich aus einfachsten Materialien kreatives Spielzeug. Sie basteln Autos aus altem Holz oder altem Gummi, Springseile aus alten Schnüren, Wägelchen aus Schrott. Schon die madagassischen Kinder sind Bastler und Tüfler, die umfunktionieren und nutzbar machen, was sie finden. Bis ins Erwachsenenalter zieht sich diese Einstellung aus der Not eine Tugend zu machen in der madagassischen Gesellschaft.

Brettspiele sind beliebt in Madagaskar, das Kartenspiel ist hingegen wenig verbreitet. Neben Domino ist besonders das alte Brettspiel fanorona in Madagaskar verbreitet. Fanorona wird zu zweit gespielt und auch als „madagassische Schachspiel“ bezeichnet, denn es setzt ein grosses Mass an Strategie voraus. Oft sieht man Madagassen beieinander sitzen und Fanorona spielen; das Spielbrett aufgezeichnet zwischen sich, mit Kiesel-Steinen spielend.
Fanorona Spiel Brettspiel Madagaskar SpielbrettDas Fanorona-Spiel hat eine lange Tradition und Geschichte in Madagaskar. Angeblich hat das Spiel bereits Madagaskars Könige begeistert und teilweise sollen diese sogar ihre politischen Entscheidungen auf den Ausgang des Spiels bezogen haben.
Das Fanarona-Spielfeld besteht aus fünf waagerechten und neun senkrechten Linien sowie ihren Diagonalen. So entstehen 45 Punkte auf dem Brett. Ein Spieler spielt mit 22 Steinen, die positioniert werden. Der Punkt des Bretts (genannt lakabe) bleibt frei. Es gewinnt der Spieler, der zuerst alle Steine des Gegners schlägt. Dazu sind verschiedene Techniken möglich.

Hira Gasy – Madagaskars traditionelles Straßentheater erleben

In Madagaskar werden bis heute viele traditionelle religiöse und kulturelle Aktivitäten gelebt und zelebriert. Dazu gehört auch das traditionelle madagassische Straßentheater Hira Gasy.

Hira Gasy ist eine Art Sprech- und Musiktheater, das von Folklore-Gruppen (Mpihira Gasy) im Freien aufgeführt wird. Der Hira Gasy nimmt aktuelle politische und gesellschaftliche Themen auf und hat meist eine religiöse oder moralische Botschaft. Bis heute hat dieses Schauspiel einen regelrechten Volksbildungsauftrag in Madagaskar.

Hira Gasy Gruppen werden oft zur Begleitung von religiösen Festen eingeladen, so auch zur traditionellen madagassischen Totenumbettung Famadihana. An Wochenenden können die unterhaltsamen und vielseitigen Vorführungen des Erzähltheaters mit musikalischer Untermalung in vielen Orten der Insel – vor allem im Hochland – verfolgt werden.

Bei öffentlichen Aufführungen treten oft zwei Gruppen gegeneinander an. Sie improvisieren dann über ein im Vorfeld festgelegtes Thema. Liebe, Politik, Moral und Philosophie sind gängige Inhalte.

Zu einer Hira Gasy-Gruppe gehören Schauspieler, Tänzer und Musiker. Die Aufführungen sind nach einer ganz bestimmten Struktur aufgebaut und dauern oft mehrere Stunden. Dabei kommen verschiedene Elemente vor:  Reden (Kabary), kurze Gedichte (Hain-teny), lyrische Vorträge (Tolonkano) und die typischen madagassischen Sprichwörter (Ohabolana) werden abwechselnd in ein Stück zwischen den musikalischen Elementen eingebaut.

Bereits das Anlegen der Kostüme gehört zum Hira Gasy-Stück. Eine Rede ist der offizielle Start und erläutert den Fortgang der Geschichte. Sie wird meist vom Anführer der Gruppe oder dem ältesten Mitglied vorgetragen. Es folgt der Hauptteil mit einem Gesang der Frauen, begleitet von tänzerischen Handbewegungen und mehreren Stellungswechseln. Im Anschluss werden Tanzeinlagen gezeigt, die teils wild und abgehackt wirken und akrobatische Elemente haben. Zum Ende der Vorstellung kommen Gesänge, in denen neue Themen angeschnitten werden.

Die Zuschauer werden in den Hira Gasy mit einbezogen. Sie feuern die Truppen mit Zwischenrufen an. Während besonders gelungener Passagen werfen die Zuschauer auch gerne Geldstücke auf die Bühne.

Eine Hira-Gasy-Theatergruppe besteht aus mindesten dreißig Mitgliedern, die sehr eng miteinander verbunden sind.  Oft sind ganze Familien Teil einer Gruppe, auch ein Koch und ein traditioneller Heiler gehören fast immer dazu. Die Gruppen werden übrigens oft von Frauen geleitet.

Der Hira Gasy hat seine Ursprünge teils in Südostasien und Ozeanien. Einige Elemente erinnern daher an südostasiatische Tänze oder asiatische Kampfkunst.

Für Reisende ist die Teilnahme an einer Hira Gasy-Veranstaltung ein eindrückliches Erlebnis der madagassischen Kultur. Auch wenn die Inhalte wohl nicht verstanden werden ist es eine Möglichkeit, die Stimmung des Landes wahrzunehmen und Teil dieser einmaligen Tradition zu sein. PRIORI kann Ihnen weitere Informationen zu Hira Gasy geben und den Besuch einer Vorstellung organisieren.

Ortsnamen in Madagaskar

Meilenstein Ortsschild Strassenschild Ortsnamen Madagaskar Vohipeno Ivondro PRIORI ReisenDie Namen von Städten und Orten in Madagaskar stiften oft Verwirrung bei Reisenden.

Zum einen sind madagassische Namen meist sehr lang, und die Aussprache ganz anders, als man beim Lesen denkt. Die Einheimischen verschlucken viele Silben einfach oder benutzen Kurzformen.

Zudem haben etliche Orte in Madagaskar zwei Namen. Dies hat folgenden Grund: Von 1896 bis 1960 war Madagaskar französische Kolonie. In diesen Jahren haben sich zahlreiche Städte- und Ortsnamen in Madagaskar etabliert.
Nach Ende der Kolonialzeit folgte in Madagaskar eine Rückbesinnung zur madagassischen Sprache („Malgaschisierung“). In diesem Rahmen wurden viele aus der Kolonialzeit stammenden Orts- und Straßennamen geändert. Es handelt sich um ein Phänomen, das man in vielen ehemals kolonialisierten Ländern findet. In Madagaskar heißt z.B. Tuléar seither Toliara, Tananarive wurde zu Antananarivo, Tamatave zu Toamasina und Diego Suarez zu Antsiranana.

Die Liste der Orte mit geänderten Namen ist lang. Es haben sich allerdings nicht immer die madagassischen Namen durchgesetzt – oft sind bis heute die „kolonialfranzösischen“ Namen in Gebrauch, wie bei der Insel Sainte Marie, die von fast niemandem Nosy Boraha genannt wird. Und kaum ein Madagasse wird heute den ursprünglichen, madagassischen Namen des Küstenortes Brickaville – Ampasimanonolotra – kennen. Oft werden auch beide Namen nebeneinander benutzt, wie in Antsiranana/ Diego Suarez.

So verwirrend die Bezeichnung, so verwirrend ist oft auch die uneinheitliche Schreibweise der Ortsnamen. Die madagassische Name für Tuléar wird z.B. Taolagnaro oder Tolanaro, und hin und wieder auch Tolannaro geschrieben. Auch die Benutzung von Akzenten und Bindestrichen wird kaum einheitlich vorgenommen.

Um die Verwirrung komplett zu machen tragen zahlreiche Orte in Madagaskar auch den gleichen Namen. Das Madagassische ist eine sehr lautmalerische Sprache. Oft haben madagassische Ortsnamen einen Sinn und eine bestimmte – oftmals geografische – Bedeutung. So bedeutet z.B. antsi groß und ranana Hafen. Der Name Antsiranana bedeutet also großer Hafen. Da die Bedeutungen für mehrere Orte zutreffen können, kommt es vor, dass zwei oder mehr Orte die gleichen Namen tragen. Ranomafana heißt übersetzt „wo es heißes Wasser gibt“ und ist der Name für mehrere Ortschaften Madagaskars, die heiße Quellen besitzen. Um sie voneinander zu unterscheiden werden oft geografische Zusätze – wie Norden oder Süden – benutzt.

Im folgenden eine Auflistung der Namen madagassische Orte (französisch und madagassisch):

Tananarive        Antananarivo (Stadt der Tausend)

Tamatave          Toamasina (wo es salzig ist)

Diègo Suarez     Antseranana, Antsiranana (großer Hafen)

Perinet               Andasibe

Fort Dauphin     Tolanaro, Tolagnaro, Tolannaro

Tulear                Toliara (wo man ankern kann)

Majunga            Mahajanga (Stadt der Blumen)

Foulpointe         Mahavelona

Hell Ville             Andoany

Vohemar            Iharana

Ste. Marie           Nosy Boraha

Brickaville           Ampasomanolotra

Joffreville             Ambohitra

Nosy Komba       Nosy Ambariovato

Port Bergé           Bozinziny

Fénerive Est         Fenoarivo

Pangalanes         Ampangalana

Volksstämme in Madagaskar

In Madagaskar leben 18 ethnische Volksgruppen.

Alle sprechen – mehr oder weniger – die gleiche Sprache: Madagassisch. Alle blicken – weitgehend – auf den gleichen kulturellen Hintergrund und fühlen sich als Madagassen.

Dabei gibt es regional unterschiedliche kulturelle und gesellschaftliche Institutionen und verschiedene Sitten, Traditionen und Bräuche. Dies liegt an der Größe Madagaskars – schließlich ist die Insel so groß wie Frankreich und Belgien zusammen.

Die größten Volksgruppen

Die größte Volksgruppe in Madagaskar sind die Merina im Hochland, gefolgt von den Betsimisaraka an der Ostküste und den Betsileo im südlichen Hochland. Mehr als die Hälfte der madagassischen Bevölkerung gehört einer dieser drei Volksgruppen an.
Die viehhaltenden Sakalava sind eine weitere große Gruppe. Sie haben sich entlang der ganzen Westküste angesiedelt.

Eng verbunden mit diesen vier einflussreichen und bevölkerungsstarken Gruppen sind einige kleinere ethnische Stämme, deren Sitten und Gebräuche sich zum Teil sehr ähneln: Sihanaka, Bezanozano, Tsimihety, Antankarana, Tanala, Bara.

Weitere Volksgruppen im Süden und Südosten

Im Süden Madagaskars leben die Volksgruppen der Mahafaly, Antandroy und Antanosy. Sie haben bis heute eine grosse Eigenständigkeit und Eigenheit bewahrt.

Entlang der Südostküste leben die Gruppen der Antambahoaka, Antaimoro, Antaifasy und Antaisaka.

Weitere Volksgruppen an der Westküste

Die Vezo an der Westküste sind Meeresfischer. Einige Ethnologen betrachten Sie als eigenständiges Volk, andere Forschern als vom Fischfang lebende Sakalava, mit denen sie dicht verwoben sind.

An der Westküste leben auch die Makoa (auch Mosombika genannt). Sie sind Nachkommen eingewanderter – oder oft als Sklaven (makoa) eingeschleppter – Afrikaner. Bis heute sprechen Sie neben Madagassisch auch den Makao-Dialekt.

Das Volk der Mikea lebt zurückgezogen in den Wäldern nördlich von Tulear. Es betrachtet sich als von Ostafrika herkommend und kennt die sonst auf Madagaskar übliche Beschneidung der Jungen nicht. Sie sind Animisten und bis heute Jäger und Sammler. Bis heute ist weitgehend unbekannt, ob sie ein eigenständiges Volk darstellen, oder vertriebene Vezo oder Sakalava sind.

Mit PRIORI können Sie Kontakt zu einzelnen Gruppen aufnehmen, Menschen vor Ort besuchen und mehr erfahren. Mehr Literatur, Informationen und Auskünfte zu den Volksstämmen Madagaskars erhalten Sie jederzeit im PRIORI Madagaskarhaus und unseren Mitarbeitern.

Tabus in Madagaskar – die Fady

Eine wichtige Rolle in Madagaskar spielen bis heute die Fady.
Was hat es damit auf sich?

Fady sind bestimmte traditionelle Tabus und Verhaltensegeln. Sie regeln in Madagaskar von jeher das Funktionieren der Gesellschaft und verankern einen Menschen in seiner sozialen Umgebung. Fady sind in allen Volksgruppen der Insel verbreitet. Sie müssen von der Bevölkerung (und teils auch von Reisenden) eingehalten werden.

Für Außenstehende sind Fady eine Wissenschaft für sich.

Es können ganz verschiedene Dinge mit einem Fady belegt sein: Einzelne Handlungen, Lebewesen, Gegenstände, Orte und Wörter. Viele Tabus für jeden gültig und allgemein bekannt, andere sind so speziell und individuell, dass sie niemals öffentlich werden dürfen. Manche Fady sind sozial, zeitlich und örtlich begrenzt. Manche Fady betreffen nur eine Familie und werden von Generation zu Generation weitervererbt.

Fady bedeutet: ‚Du sollst nicht‘, und ist immer eine Warnung.

Ein madagassische Sprichwort sagt: Ich würde lieber sterben, als etwas essen, das Fady ist. Eine Missachtung von Fady – auch unbeabsichtigt – bedeutet, dass man als „unsauber“ gilt, vom sozialen Umfeld ausgeschlossen werden kann oder sich selbst nicht mehr zugehörig fühlt, eine Bestrafung erhält oder sogar stirbt. Eine Krankheit wird eigentlich immer zuerst als Nichteinhaltung eines Fady (ota fady) zurückgeführt.

Für Reisende in Madagaskar sind Fady nur bedingt allgegenwärtig.

So wird z.B. bei Wanderungen darauf hingewiesen, dass zu bestimmten Orten kein Schweinefleisch und kein Knoblauch mitgebracht werden darf, oder dass auf Grabmäler nicht mit dem ausgestreckten Zeigefinger gezeigt werden soll.

Es schadet nie, sich der Tradition bewusst zu sein und nachzufragen, wo man sich unsicher ist.

PRIORI kann Ihnen jederzeit Informationen dazu geben und weiterhelfen!
Kontaktieren Sie uns!

Reise-Verständigung in Madagaskar

Als Reisender können Sie sich auf der gesamten Insel meist gut mit Französisch verständigen, vor allem in den Städten. Angestellte im touristischen Bereich sprechen manchmal auch etwas Englisch.

Ein paar Worte Malagasy für den alltäglichen Gebrauch erleichtern aber einiges – und öffnen Türen und Herzen:

Deutsch Malagasy Aussprache
Guten Tag/ Hallo Salama Salaam
Manao ahoana Mano oun
Auf Wiedersehen Veloma Veloum
Danke Misaotra Misoutr
Bitte/ Entschuldigung Azafady Asafad
Wie viel kostet…? Ohatrinona…? Odschin
(Sehr) gut Tsara (Be) Tsara (Be)

Für die Reise zu empfehlen ist der handliche Sprachführer vom Verlag Reise Know-How: Kauderwelsch Madagassisch – Wort für Wort Band 41 von Helena Voahanginirina Odendahl

Famadihana in Madagaskar

Die Rolle der Vorfahren

Die Vorfahren nehmen bei den meisten Madagassen eine bedeutende Stellung im Leben ein.  Für sie gibt es weder Himmel noch Hölle oder Wiedergeburt. In Madagaskar glauben die Menschen, dass man nach dem Tod mit den eigenen Ahnen (Razana) vereint wird und gemeinsam über die Lebenden wacht. Die Welt der Ahnen ist mit dem Leben eng verwoben und allgegenwärtig. Verschiedene Riten, und die Grabkultur auf Madagaskar spiegeln dies wider.

Verbindung zwischen Tod und Leben

Die Umbettung der Toten – genannt Famadihana – gehört zu jenen Bräuchen, die die Welt der Toten und der Lebendigen verbinden. Die Famadihana ist das Wiedersehen mit den verstorbenen Mitgliedern der Familie. Gleichzeitig ist es auch eine Zusammenkunft der Familie, die den Zusammenhalt stärken soll. Hinter der Famadihina steht eine sehr alte Tradition, die von den ersten Einwanderern aus Indonesien nach Madagaskar gebracht wurde.

Sie gilt als das eines der wichtigsten Familienfeste auf der Insel. Praktiziert wird sie hauptsächlich von den Volksstämmen im Hochland von Madagaskar – daneben gibt es auch verschiedene Varianten in  anderen Teilen Madagaskars.

Ablauf einer Famadihana

Das Fest dauert normalerweise drei Tage und wird in unterschiedlichen Abständen von etwa 5-7 Jahren durchgeführt. Eine Famadihina findet immer in der kalten Jahreszeit, zwischen Juli und September, statt.

Während der Famadihina werden die Familiengräber geöffnet. Die Toten, die in weiße Leinen-Tücher (Lamba mena) gewickelt sind,  werden herausgenommen und in neue Tücher gehüllt. Zu betonen ist, dass man zu keinem Zeitpunkt die Körper sieht. Die eingewickelten Ahnen werden den Lebenden gezeigt und anschließend wieder in die Grabstätte gelegt. Am dritten Tag einer Famadihina kommen Musikgruppen, die traditionelle Musik, Tanz und Theaterstücke (Hira Gasy) vorführen.

Für Familienmitglieder ist die Teilnahme an der Totenumbettung Pflicht. Sie reisen daher aus allen möglichen Teilen Madagaskars oder auch von weither an.
Obwohl eine Famadihana immer ein intimes Familienfest mit ihren Verstorbenen ist, sind neben den Angehörigen auch Freunde, Nachbarn und weitere Gäste anwesend. Meist ist es ein riesiges Fest mit bis zu mehreren Hundert Teilnehmern. Die ausrichtende Familie versorgt das ganze Dorf mit Speisen und Getränken.

Teilnehmen an einer Famadihana – PRIORI macht es möglich

Auch Reisende können an einer Leichenumwendung teilnehmen – vorausgesetzt sie bringen das nötige Verständnis, Respekt und viel Zeit mit.

PRIORI kann einen Besuch bei einer Famadihana bei befreundeten Familien organisieren. Dabei gilt jedoch: Wer nur eine Stunde teilnehmen möchte, ist fehl am Platz. Eine Famadihana ist in Madagaskar nirgendwo ein nur für Touristen gemachtes Event. Nirgendwo.

Aus Respekt gegenüber der Familie, die uns vertraut, können und wollen wir dieses wichtigste Fest einer Familie in keinem Fall entwürdigen.

Beachten Sie auch, dass der Umgang mit den Toten für westliche Gemüter eventuell sehr ungewohnt und verstörend sein kann. Überlegen Sie im Voraus gut, ob Sie sich in der Lage sehen, an den Aktivitäten teilzuhaben.

Kontaktieren Sie uns!

Madagassisch – Einführung in die Sprache der Großen Insel

Madagaskar wird durch die gemeinsame Sprache Madagassisch (auch Malgache bzw. Malagasy genannt) geeint. Sie wird von der Mehrheit der Bevölkerung aller Ethnien gesprochen und ist die offizielle Sprache der Insel. Madagassisch wird zudem von einigen alten Exil-Madagassen auf den Komoren gebraucht. Daneben ist Französisch Amtssprache in Madagaskar.

Herkunft der Sprache

Madagassisch stammt im wesentlichen von der Indonesischen Sprache ab (westindonesischer Zweig der malayo-polynesischen Sprachfamilie), ist jedoch von afrikanischen und arabischen Worten durchsetzt.

Die Sprache ist sehr uniform, dennoch kann sie in zwei oder drei Dialekte eingeteilt werden: eine Variante im Westen und Süden und eine weitere im Osten und im Zentrum und als dritte Variante ein Gemisch aus den ersten beiden Dialektformen im Norden.

Besonderheit der Sprache

Die Sprache Madagassisch fördert eine blumige und stark beschreibende Ausdrucksweise. Die Madagassen lieben Bedeutungen, feinsinnige Wortnuancen und doppelbödige Wortspiele. Dies kommt in Reden oder madagassischer Poesie zum Ausdruck, ebenso wie in Wortbildungen der Alltagssprache. So heißt z.B. das Wort für Sonne „masoandro“ wörtlich übersetzt „Auge des Tages“.

In alle Darbietungen und zu verschiedenen Anlässen streuen Madagassen gerne Sprichwörter (ohabolana) ein, die aus den vielen jahrhundertealte Volksweisheiten stammen und bis heute als Weisheit der Ahnen angesehen werden.

Auch in Ortsnamen schlägt sich die Bildlichkeit der Sprache nieder. Auch wenn man oft keine eindeutigen Gründe für die Namensgebung nachvollziehen kann, so kann man häufig Wortelemente finden, die auf die Eigenschaften des Ortes Bezug nehmen: ‚be‘ (gross), ‚vato‘ (Stein), ‚hazo‘ (Wald) und viele andere.