Archiv der Kategorie: Geschichte, Politik und Wirtschaft

Informationen zur Geschichte, zu Politik und zu wirtschaftlichen Themen in Madagaskar.

Polizei und Korruption in Madagaskar

In den grösseren Städten Madagaskars patroullieren vermehrt Polizisten und Polizeieinheiten, um gegen die steigende Kriminalitätsrate anzukämpfen. Auch auf den madagassischen Überlandstrassen gibt es immer wieder Polizei-Kontrollen, vor allem bei Ortsdurchfahrten. Ob nationale oder regionale Polizeieinheiten eingesetzt werden ist nicht immer einheitlich geregelt. Die Uniformen können sich daher von Ort zu Ort unterscheiden.

Wichtig für Reisende: Wer ohne gültigen Reisepass angetroffen wird, wird sehr schnell von Polizisten zur Kasse gebeten. Entweder mit einer „schnellen“ Einigung, die auf Korruption hinausläuft, da der Polizist sich über einen Betrag freut, der dann nirgends vermerkt wird. Oder Reisende werden auf die Polizeiwache gebeten und müssen dort meist eine Strafe zahlen. Aufgrund des maroden Staatshaushalts sind auch Madagaskars Polizisten unterbezahlt. Dies führt leider zu Korruption und zahlreichen Versuchen, das spärliche Gehalt aufzubessern. Touristen sind dabei leichte Opfer. Seien Sie achtsam und vermeiden Sie den Kontakt zu Polizisten, wenn nicht unbedingt nötig. Oftmals kann es ratsam sein, Angelegenheiten über den Reiseleiter / Fahrer regeln zu lassen.

Edelhölzer aus Madagaskar – Geschäft mit der Natur

Abholzung ist in Madagaskar ein großes Problem. Schon heute ist Madagaskar in weiten Teilen eine rote, baumlose Insel. Mehr als 90% von Madagaskars ursprünglichen Wäldern sind bereits verschwunden.

Zahlreiche noch bestehende Waldgebiete werden stark gerodet – für Brennholz für die madagassische Bevölkerung, die bis heute zu einem Großteil mit Holz kocht und heizt. Aber auch für Holzhändler, die illegal vor allem Edelhölzer wie Rosenholz, Mahagoni, Palisander oder Ebenholz verschiffen und damit viel Geld machen.

Dies passiert in ganz Madagaskar, obwohl offiziell das Fällen von Bäumen in Schutzgebieten Madagaskars streng verboten ist. Die Regierung schafft es nicht, diese illegalen Edelholz-Geschäfte einzudämmen. Oft ist sie sogar selbst in diese Geschäfte verwickelt. Einen interessanten Artikel dazu gab es 2010 vom Verein Rettet den Regenwald e.V.

Der Name Palisander steht übrigens für mehrere Arten der Gattung Dalbergia. Rosenholz bezeichnet im deutschen Sprachgebrauch eine bestimmte Palisander-Art, die sich durch ihren rosenähnlichen Duft des frisch geschlagenen Holzes auszeichnet.
Auch Mahagoni ist eine Pflanzenfamilie mit etwa 1400 Baumarten. Die in Madagaskar vorkommenden Mahagoni-Arten sind zu großem Teil endemisch.

Edelsteine und Mineralien in Madagaskar

Madagaskar spaltete sich vor rund 150 Millionen Jahren vom Urkontinent Gondwanaland ab. Die Insel ist bis heute voll von Mineralien, Rohstoffen und Edelsteinen aller Art: von Gold und Silber über Chromit, Zink, Titan und ‘seltenen Erden’ bis hin zu Marmor und Kohle.

Besonders bekannt ist Madagaskar für seine vielen Edel- und Halbedelsteine, die von Industriesteinen bis zu sehr kostbaren Stücken reichen. Madagaskar gilt als eines der Länder mit den meisten Fundstellen für Edelsteine weltweit. Ziersteine wie Rosenquarz, Amethysten, Amazonit finden sich in beachtlicher Menge, ebenso Halbedelsteine wie Saphir, Smaragd, Turmalin und Topaz.

In Tsiningia (bei Port-Bergé) und in Antalaha wird Achat-Quarz auf kommerzieller Basis in grösseren Mengen abgebaut und exportiert. Das madagassische Wort für Quarz ist ‚vato velona‚, was so viel bedeutet wie ‚lebender Stein‘. Dieser Stein ist in Madagaskar traditionellerweise ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit. Bis heute wird bei einer traditionellen Hochzeit ein Stück dieses Steins vom Bräutigam an den Brautvater überreicht.

Die meisten der Abbaustellen und Bergwerken in Madagaskar arbeiten bis heute eher artisanal als industriell. Viele Fundorte in Madagaskar sind heute voll von Chinesen, Thailändern und Leuten aus Sri Lanka, die sich als Zwischenhändler und Aufkäufer betätigen. Dies geschieht meist mehr oder weniger ehrlich und mehr oder weniger legal.

Dramatisch hat sich der kleine Weiler Ilakaka an der Strasse zwischen Ihosy und Tulear, in der Nähe des Isalo Nationalparks, entwickelt. Seit in den frühen 1990er Jahren Vorkommen von Turmalin und Saphir entdeckt wurden erlebt der Ort einen unaufhörlichen Zustrom an Glückssuchern. Aus dem ehemals 40-Seelen-Dorf wurde in kurzer Zeit eine Kleinstadt mit mehr als 60.000 Einwohnern, die meist in Bretterhütten ohne Strom und Wasser wohnen. Die ganze Talsohle ist voller inoffizieller Bohrlöcher und Brunnen, in die Bergleute und oft auch Kinder unter Lebensgefahr hinuntersteigen oder in handgebauten Aufzügen hinabgelassen werden. Viele der Transaktionen und Exporte, die in Ilakaka stattfinden, sind illegal. Die Stadt hat einen großen Banditenanteil und Gewalt ist verbreitet. Um Edelsteine zu kaufen, gibt es für Reisende bessere Orte. Sie sollten sich hier nicht länger als nötig aufhalten.

Reisende, die in Madagskar Steine oder Minerallien kaufen möchten, sollten sich mit der Materie auskennen. Madagassen sind sehr feinfühlig und sie merken sehr schnell, ob Reisende etwas davon verstehen oder nicht. Steine, ebenso Gold oder Silber ‘auf der Strasse‘ zu kaufen, ist zwar an vielen Orten sehr gut möglich, man wird jedoch zum einen sehr schnell übers Ohr gehauen und zum anderen erhält oftmals keine Ausfuhrpapiere. Dass man in Madagaskar günstiger zu Steinen kommt als an der Mineralienbörse nebenan ist nicht die Regel.

Grundsätzlich darf man Steine und Mineralien aus Madagaskar ausführen. Je ‘edler‘ der Kauf ist, umso wichtiger sind jedoch gültige Ausfuhrpapiere. Für einen alltäglichen Zierstein braucht es diese Papiere nicht. Die entsprechenden Papiere müssen vom Verkäufer mitgeliefert werden und alle seriösen Läden stellen diese Ausfuhrbescheinigung sofort aus.


PRIORI gibt gerne weitere Auskunft zu Edelsteinen und Mineralien, und Infos zu geeigneten und seriösen Läden zum Kauf von Steinen etc. in Madagaskar. Mit uns reisen Sie gut betreut und entdecken Madagaskar doch ganz individuell. Kontaktieren Sie uns!

Madagaskars Wirtschaft – ein Überblick

Wirtschaftliche Lage

Obwohl Madagaskar reich an natürlichen Ressourcen ist und über großes wirtschaftliches Potential verfügt, ist die madagassische Bevölkerung ärmer denn je. In den letzten 50 Jahren wurde Madagaskar von einem einigermaßen wohlhabenden Land zu einer der ärmsten Nationen der Welt – mehr als 90% der Madagassen lebten 2014 unter der internationalen Armutsgrenze von 2 US Dollar pro Tag.

Seit der madagassischen Unabhängigkeit im Jahr 1960 konnte das Land sich nie einen Ruf aufbauen, politisch stabil und investorenfreundlich zu sein. Protektion, Bestechung und Mangel an Transparenz sind bis heute Kennzeichen des Wirtschaftsgebarens in Madagaskar.

Die wenigen wirtschaftlichen Aufschwung-Phasen wurden immer wieder durch politische Unruhen mit Ausschreitungen, Plünderungen und Militäreinsätzen zunichte gemacht – so auch im Jahr 2009. Für exportierende Unternehmen hatte dies einen vehementen Rückgang der Aufträge zur Folge,  gleichzeitig schwand das Interesse potenzieller ausländischen Investoren und Touristen blieben aus. Die ökonomischen Auswirkungen waren gravierend und die Arbeitslosigkeit in Madagaskar stieg extrem an. Da das 2009 an die Macht geputschte Regime international nicht anerkannt wurde, wurden zu diesem Zeitpunkt auch die Geldflüsse internationaler Unterstützer ausgesetzt. Dies belastete den bis zu 30% von diesen Geberleistungen abhängigen Staatshaushalt Madagaskars enorm.

Bis heute kämpft Madagaskar mit den Folgen des Putsches von 2009. Auch wenn seit 2014 wieder ein demokratisch gewählter Präsident regiert und die internationalen Hilfsleistungen wieder aufgenommen wurden ist Madagaskar wirtschaftlich lange nicht dort, wo es schon einmal war. Ausländische Investoren fehlen weiterhin, denn bis heute sind die Voraussetzungen und die Anreize für sie schwach und unstabil. Auch die Touristenzahlen sind noch nicht wieder dort angelangt, wo sie 2008 waren.

Wirtschaftszweige in Madagaskar

Madagaskar Vanille Schoten grün am Baum PRIORI ReisenMadagaskar ist ein Agrarland. Vanille, Gewürznelken, Sisal, Kakao und Fisch  bzw. Garnelen sind die wichtigsten landwirtschaftlichen Exportgüter, ebenso wie einige Früchte, darunter Litschis.  Madagaskar ist der weltweit größte Produzent für Vanille und bekannt für hochwertige Garnelen und seinen Pfeffer. Die in den 1990er Jahren große Kaffeeproduktion ist mit den drastisch sinkenden Weltmarktpreisen sehr zurückgegangen und spielt heute kaum mehr eine Rolle.

Bis heute findet die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Export-Produkte in Madagaskar mit einfachen handwerklichen Mitteln oder in Handarbeit statt und ist oft wenig effiizient, so z.B. die Trocknung von Nelken und Pfeffer. Eine Agroindustrie für die Veredelung von Exportprodukten existiert kaum.

Markt_Hochland_Madagaskar_Stand_Knollen_Wurzelgemüse_PRIORI-ReisenDer Anteil an reiner Subsistenz-Landwirtschaft ist in Madagaskar sehr hoch. Die allermeisten landwirtschaftlichen Betriebe sind – oft kleinflächige – Familienunternehmen. Diese müssen oft arbeitslose und unterbeschäftigte Familienmitglieder mittragen. Der Landwirtschaft-Sektor ist ein Sammelbecken für einen wesentlichen Teil der madagassischen Bevölkerung, der sich anderswo nicht produktiv betätigen kann. Hauptsächlich für den Eigenbedarf angebaut werden Grundnahrungsmittel Reis, Maniok und Mais. Madagaskar hat den größten Reisverbrauch pro Kopf auf der Welt. Da die Bevölkerung schnell wächst und die bis heute traditionellen Anbaumethoden mit dem erhöhten Bedarf nicht mitkommen, muss Reis mittlerweile auch zusätzlich importiert werden. Auch viele weitere Lebensmittel muss Madagaskar heute aufgrund der schnell wachsenden Bevölkerung importieren.

Madagaskar hat vor allem im Süden des Landes große Vorkommen an Mineralien und Bodenschätzen. Große Bergbauvorhaben zum Abbau von Titan, Nickel und Kobalt finden sich auf der Insel. Sie sind fast ausschließlich in ausländischer Hand, ebenso wie der Abbau und Handel mit Edelsteinen. Nach ersten Funden wird die Erdölsuche im Kanal von Mosambik weiter vorangetrieben.  Bislang muss Madagaskar Erdöl importieren.

Wirtschaftliche Bedeutung hat auch die Textilfertigung und Kleidung aus Madagaskar.

Große Hoffnungen für die wirtschaftliche Entwicklung Madagaskars werden auf den Tourismus gesetzt. Nachdem sich die Tourismuszahlen zwischen 2002 und 2008 verdoppelt hatten, brachen sie mit der politischen Krise 2009 wieder drastisch ein. Bis 2013  kamen die Touristenzahlen nicht wieder auf den Stand von 2008.

Wichtige Handelspartner von Madagaskar

Aufgrund der Geschichte war Frankreich lange Zeit der wichtigste Handelspartner Madagaskars. Noch heute gehen etwa ein Drittel der madagassischen Exporte nach Frankreich. Ein weiteres Fünftel der Exportgüter geht in andere europäische Länder. Mit dem Afrikanischen Handelsabkommen Africa Growth and Opportunity Act (AGOA), welches förderfähigen Ländern in Subsahara-Afrika erlaubte, Waren zollfrei in die USA zu exportieren, wuchs der Handel zwischen Madagaskar und den USA in den 2000er Jahren erheblich und der Export-Anteil lag zwischenzeitlich bei etwa 35%. Mit dem Putsch im Jahr 2009 flog Madagaskar aus dem Abkommen und der Handel nach Amerika brach ein. Heute liegt der Anteil unter 10%. China wird als Wirtschaftspartner immer bedeutender für Madagaskar. Der Handel wächst beständig an und der Export-Anteil lag im Jahr 2014 bei etwa 10%.

Zum wirtschaftlichen Aufschwung Madagaskars fehlt noch sehr vieles: von Dünger und Saatgut, Ersatzteilen und Rohstoffen, über Infrastruktur und Kommunikation, bis hin zu geregelten transparenten gesetzlichen Rahmen und effizienter Verwaltung, vor allem aber auch weiterhin in- und ausländisches Kapital und Investitionen.

Gleichzeitig stehen genügend Arbeitskräfte im Land zur Verfügung. Und zwar nicht nur ungelernte Zuwanderer aus ländlichen Gebieten, sondern auch gelernte und qualifizierte, motivierte Fachkräfte. Die Bevölkerung ist jung und viele Madagassen wünschen sich nichts dringlicheres, als irgendwo eine Chance zu erhalten, um ihr Können zu zeigen und sich zu beweisen.

Madagaskar – Insel mit herausfordernder Geschichte

Madagaskars Geschichte ist lang und von vielen Ereignissen und Herausforderungen geprägt. Die Insel im Indischen Ozean ist voller ökologischer und kultureller Vielfalt, die sich im Laufe der Zeit herausgebildet hat. Gleichzeitig ist Madagaskar eines der ärmsten Länder der Welt. Der Politik mangelt es an Strukturierung und wirtschaftlich ist das Land schwach aufgestellt. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Der Versuch eines Überblicks:

Vor etwa 160 Millionen Jahren löste sich Madagaskar von Gondwanaland.
Rund 1500 Jahre ist es her, dass die Insel erstmals besiedelt wurde. Einwanderer aus Indonesien, Afrika und dem Nahen Osten folgten. So entstand ein Lebensraum mit vielseitigen kulturellen Einflüssen.
In allen Teilen Madagaskars fanden sich trotz der verschiedenen Einflüsse ähnliche Strukturen: Ein lokaler Häuptling beherrschte das Umfeld seines Dorfes, Ahnenverehrung hatte einen hohen Stellenwert und es gab eine gesellschaftliche Schichtung aus Noblen, Freien und Sklaven. Man ernährte sich fast ausschließlich von Reis – das Lebensmittel hatte bereits damals eine schon mythisch anmutende Bedeutung für die Menschen des Landes.

Familiengrab Madagaskar Hochland PRIORI ReisenObwohl Madagaskar sprachlich immer homogen war – beachtlich bei der vielschichtigen Besiedlung und der Größe des Landes – war es dennoch jahrhundertelang nicht geeint. Die Dörfer unter ihren Vorsehern führten ständige Kleinkriege untereinander. Es entstanden und verschwanden zahlreiche kleine Königreiche.
Um 1800 setzte sich in der zentralen Region um die heutige madagassische Hauptstadt Antananarivo der Merina-König Andiranampoinimerina durch. Sein Sohn Radama I baute seine Macht bis an die Ostküste, in den Westen und weit in den Süden aus. Auch die weiteren Thronerben – bis auf Radama II übrigens alles Frauen – dehnten das Merina-Königreich in verschiedenen Feldzügen auf rund 80% der Fläche Madagaskars aus.

1895 marschierten die Franzosen ein, Madagaskar wurde französische Kolonie.
Der erste Generalgouverneur der Franzosen, Laroche, hob die bis dahin praktizierte Sklaverei auf. Mit einem Mal war – je nach Schätzung – ein Drittel bis Dreiviertel der Bevölkerung frei. Laroches Nachfolger Galliéni baute Strassen, Eisenbahnlinien, Krankenhäuser und Schulen.
Madagaskar wurde zu einer wohlhabenden und sich selbst ernährenden Kolonie, die neben den Kolonialprodukten Pfeffer, Kaffee, Vanille und Nelken auch Reis sowie Bodenschätze wie Graphit exportierte. Zu den Schattenseiten der Entwicklung zählen die völlige Ausrichtung des Schulsystems auf Frankreich, die äußerst begrenzten politischen Rechte und unzureichende Zugang zu administrativen Posten für die Madagassen und einige brutal niedergeschlagenen Aufstände durch die Franzosen, wie 1947. Vor allem nach dem zweiten Weltkrieg setzten sich Nationalisten für mehr Eigenbestimmung Madagaskars ein.

Am 26. Juni 1960 wurde Madagaskar nach 64 Jahren als französische Kolonie ein unabhängiger Staat unter dem ersten Präsidenten Philibert Tsiranana.
Dieser führte eine franzosenfreundliche Politik. Madagaskar übernahm die intakte Infrastruktur, ausgebildete Leute und eine funktionierende Wirtschaft aus der Kolonialzeit. Die Franzosen blieben als Berater und Verwalter im Land.
Mit der Zeit geriet das Bild ins Wanken. Die franzosen-ausgerichtete Führung Tsirananas wurde mehr und mehr zum Kritikpunkt, ebenso wie die Besetzung der meisten Regierungsposten mit ausschließlich engen Parteianhängern.

 Stadt Antananarivo Madagaskar Kirche Kolonialhäuser PRIORI ReisenNach Studentenprotesten im Jahr 1972 und jahrelangen Fraktionskämpfen innerhalb der Armee wurde 1975 Didier Ratsiraka zum Präsident.
Ratsiraka schlug eine Kehrtwende ein: Er ließ die Madagassen seine ‚Charta der sozialistischen Revolution‘ absegnen. Er verstaatlichte er einen großen Teil der Betriebe und richtete seine Politik in Richtung UdSSR und später Nordkorea. Er verließ die französische CFA-Währungsunion und verwies die französischen Berater außer Landes. Kostspielige Großprojekte sollten Madagaskar unter Ratsiraka zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit führen, allerdings funktionierten die meisten der Staatsbetriebe nicht oder waren kurz vor der Pleite. Gleichzeitig bereicherte Ratsiraka sich und seine Anhänger auf schamlose Weise. Madagaskar verarmte unter seiner Führung jährlich mehr, die Außenverschuldung erhöhte sich von 1978 bis 1980 um das Vierfache.

1982 war Madagaskar bankrott.
Das Land musste Reis importieren und sogar die Bauern hatten nicht genug zu Essen. Das Schulsystem wurde korrumpiert, was zu einem enormen Anstieg der Analphabeten-Rate führte. Das eigentlich kostenlose Gesundheitswesen war quasi nicht mehr vorhanden. Madagaskar wurde zu einem der zehn ärmsten Länder der Welt.
Mehrere Aufstände in Antananarivo und im Süden wurden blutig niedergeschlagen. Die Presse des Landes wurde generell zensiert. International erhoben die Bischofskonferenz und Amnesty International schwere Vorwürfe gegen das Regime.

Anfang der 1990er Jahre fühlte sich ein Großteil der Madagassen aussichtslos. Die Revolution war erfolglos geblieben und als guter Taktiker schaffte es Ratsiraka immer wieder, die oppositionellen Kräfte für sich einzubinden, indem er sie mit Posten und Ämtern lockte. Als Ratsiraka schließlich anfing, einen gemässigteren Ton anzuschlagen, die Wirtschaft einen kleinen Anflug von Aufschwung verbuchte, und ein kleiner Funke Hoffnung aufblitzte, dass der Präsident zukünftig mehr auf das Wohl des Landes schauen würde, gerade dann schlug das Pendel um. Ratsiraka wurde 1991 in einem siebenmonatigen Streik aus dem Amt geworfen. Er wehrte sich, indem er auf die unbewaffneten Streikenden schießen ließ.

Während dieser unruhigen Zeit war der Medizinprofessor Albert Zafy an die Spitze des Politikbetriebs gelangt. Er wurde im Februar 1993 in einer Stichwahl gegen Ratsiraka vom Volk demokratisch gewählt. Doch auch Zafy schaffte es nicht, Madagaskar zu Frieden und Aufschwung zu führen. Die bis dato vornehmlich in den Chef-Etagen umgehende Korruption griff von nun an auf alle Lebensbereiche über. Auch Zafy und sein politisches Umfeld verstrickten sich in unseriöse Geschäfte und Affären. Die Sicherheit in den Städten – aber auch auf dem Land – nahm drastisch ab. Die ökonomische Entwicklung siechte weiter dahin, auch wenn Hilfeleistungen aus dem Ausland kamen.  Die Madagassen – zum Großteil Bauern – taten, was sie in diesen Fällen immer tun: sie zogen sich zurück in die Substistenzwirtschaft.

1996 wurde Zafy abgesetzt. Ihm wurde Verfassungsmissbrauch vorgeworfen. Bei der folgenden Präsidentschaftswahl wurde er unter geringer Wahlbeteiligung von Ratsiraka überholt. Für viele Madagassen war die Wahl eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera, und sie blieben den Wahllokalen fern. Ratsiraka und seine Partei AREMA (Association pour la Renaissance de Madagascar) wurde auch 1998 stärkste Fraktion, erreichte jedoch nicht die absolute Mehrheit.

Im Jahr 2001 wurde Marc Ravalomanana zum Präsident gewählt. Ratsiraka gab sich nicht sofort ergeben. Er erkannte das Ergebnis zunächst nicht an, stellte Milizen auf, rief die Abspaltung ihm treuer Landesteile aus und verhängte eine Wirtschaftsblokade über Antananarivo. Im Juli 2002 verließ Ratsiraka Madagaskar. Daraufhin beruhigte sich die Situation.

Ravalomanana wurde 2006 als Präsident Madagaskars bestätigt. Allerdings wuchs die Unzufriedenheit ihm gegenüber, denn bereits seine Vorgänger hatte der ursprüngliche Hoffnungsträger sich zu einem Alleinherrscher und korrupten Staatschef entwickelt.

Antananarivo Madagaskar Blick Mahmasina Stadion PRIORI ReisenIm Januar 2009 kam es in Antananarivo zu einem Aufmarsch gegen das Regime Ravalomanana, das Madagaskar in eine erneute schwere innenpolitische Krise geführt hatte. Mit dem „Daewoo-Deal“, welcher dem koreanischen Konzern mehr als 1 Million Hektar madagassisches Land überlassen wollte, brachte Ravalomanana das Fass für viele Madagassen zum Überlaufen. Der Protest fing friedlich an, wuchs jedoch schnell zu einer gewaltsamen Unruhe mit Plünderungen, Toten und Verletzten auf der ganzen Insel. Im März 2009 kam es zu einem gewaltsamen Machtwechsel. Der 35jährige ehemalige Bürgermeister Antananarivos und DJ, André Rajoelina, erklärte sich in Absprache mit  Militärvertretern als neuer Präsident einer Übergangsregierung. Ravalomanana ging daraufhin unter massivem Druck ins Exil nach Südafrika.
Die Übergangsregierung mit dem Oppositionsführer als Präsident regierte bis 2013 und wirtschaftete das Land weiter herunter.

Im Dezember 2013 wurde Hery Rajaonarimampianina – ehemaliger Finanzminister unter der Oppositionsregierung – zum neuen Präsidenten Madagaskars gewählt. Auch heute hat keine der staatlichen Institutionen die Macht und kaum den Willen, in ihrem Bereich wirklich durchzugreifen. Die soziale und ökologische Degradation nehmen zu.

Obwohl Madagaskar keine Flüchtlingsströme kennt, schafft es die fruchtbare Insel nicht, sich selbst zu ernähren. Neben städtischen Angestellten am Rand der Hungerzone und der ländlichen Bevölkerung, die kaum mehr als gerade überlebt finden sich in Madagaskar reiche Familien mit frankophilem Umgang, Profiteure und Geschäftemacher mit rüden Sitten und Indopakistaner, die sich ausserhalb ihrer Geschäftstätigkeit abschotten.

Madagaskar steht schlechter da als zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit. Sieben von zehn Madagassen leben 2014 unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Nimmt man die internationale Definition (2 US-Dollar pro Tag) als Grundlage, sind sogar 92 Prozent der Madagassen arm.

Die Madagassen wurden mit der Zeit politikverdrossen, das Vertrauen in die Politiker ist schon lange nicht mehr vorhanden. Ein tiefer Pessimismus und ein Gefühl von Machtlosigkeit durchzieht heute breite Bevölkerungsschichten. Oft bieten nur kirchliche Kreise ein Umfeld, in dem sich die Leute einigermassen entfalten können.

Ortsnamen in Madagaskar

Meilenstein Ortsschild Strassenschild Ortsnamen Madagaskar Vohipeno Ivondro PRIORI ReisenDie Namen von Städten und Orten in Madagaskar stiften oft Verwirrung bei Reisenden.

Zum einen sind madagassische Namen meist sehr lang, und die Aussprache ganz anders, als man beim Lesen denkt. Die Einheimischen verschlucken viele Silben einfach oder benutzen Kurzformen.

Zudem haben etliche Orte in Madagaskar zwei Namen. Dies hat folgenden Grund: Von 1896 bis 1960 war Madagaskar französische Kolonie. In diesen Jahren haben sich zahlreiche Städte- und Ortsnamen in Madagaskar etabliert.
Nach Ende der Kolonialzeit folgte in Madagaskar eine Rückbesinnung zur madagassischen Sprache („Malgaschisierung“). In diesem Rahmen wurden viele aus der Kolonialzeit stammenden Orts- und Straßennamen geändert. Es handelt sich um ein Phänomen, das man in vielen ehemals kolonialisierten Ländern findet. In Madagaskar heißt z.B. Tuléar seither Toliara, Tananarive wurde zu Antananarivo, Tamatave zu Toamasina und Diego Suarez zu Antsiranana.

Die Liste der Orte mit geänderten Namen ist lang. Es haben sich allerdings nicht immer die madagassischen Namen durchgesetzt – oft sind bis heute die „kolonialfranzösischen“ Namen in Gebrauch, wie bei der Insel Sainte Marie, die von fast niemandem Nosy Boraha genannt wird. Und kaum ein Madagasse wird heute den ursprünglichen, madagassischen Namen des Küstenortes Brickaville – Ampasimanonolotra – kennen. Oft werden auch beide Namen nebeneinander benutzt, wie in Antsiranana/ Diego Suarez.

So verwirrend die Bezeichnung, so verwirrend ist oft auch die uneinheitliche Schreibweise der Ortsnamen. Die madagassische Name für Tuléar wird z.B. Taolagnaro oder Tolanaro, und hin und wieder auch Tolannaro geschrieben. Auch die Benutzung von Akzenten und Bindestrichen wird kaum einheitlich vorgenommen.

Um die Verwirrung komplett zu machen tragen zahlreiche Orte in Madagaskar auch den gleichen Namen. Das Madagassische ist eine sehr lautmalerische Sprache. Oft haben madagassische Ortsnamen einen Sinn und eine bestimmte – oftmals geografische – Bedeutung. So bedeutet z.B. antsi groß und ranana Hafen. Der Name Antsiranana bedeutet also großer Hafen. Da die Bedeutungen für mehrere Orte zutreffen können, kommt es vor, dass zwei oder mehr Orte die gleichen Namen tragen. Ranomafana heißt übersetzt „wo es heißes Wasser gibt“ und ist der Name für mehrere Ortschaften Madagaskars, die heiße Quellen besitzen. Um sie voneinander zu unterscheiden werden oft geografische Zusätze – wie Norden oder Süden – benutzt.

Im folgenden eine Auflistung der Namen madagassische Orte (französisch und madagassisch):

Tananarive        Antananarivo (Stadt der Tausend)

Tamatave          Toamasina (wo es salzig ist)

Diègo Suarez     Antseranana, Antsiranana (großer Hafen)

Perinet               Andasibe

Fort Dauphin     Tolanaro, Tolagnaro, Tolannaro

Tulear                Toliara (wo man ankern kann)

Majunga            Mahajanga (Stadt der Blumen)

Foulpointe         Mahavelona

Hell Ville             Andoany

Vohemar            Iharana

Ste. Marie           Nosy Boraha

Brickaville           Ampasomanolotra

Joffreville             Ambohitra

Nosy Komba       Nosy Ambariovato

Port Bergé           Bozinziny

Fénerive Est         Fenoarivo

Pangalanes         Ampangalana

Pirateninsel Madagaskar

In Madagaskar und im Indischen Ozean tummelten sich vor etwa 300 Jahren zahlreiche Piraten.

Vor allem an der Ostküste Madagaskars siedelten sich viele Piraten an, denn vor dieser verlief eine viel frequentierte Handelsroute. Schiffs-Flotten aus Europa transportierten Gewürze wie Pfeffer, Nelken, Ingwer und Muskat aus Indonesien, sowie Zimt und Reis aus dem damaligen Ceylon. Auch Gold, Kupfer und Edelsteine sowie Tücher wurden über den Indischen Ozean nach Europa gebracht und waren lukrative Ziele für Überfälle.

Gleichzeitig ist das Meer vor der zum Wind gerichteten Ostseite der Großen Insel stürmisch und rau und verursachte häufig Schiffsbrüche. Mit ihren vielen Buchten und kleinen Orten bot sie gleichzeitig zahlreiche Verstecke, und in der üppigen, feuchten Umgebung fand sich genug Nahrung sowie Holz, um die Piraten-Schiffe zu unterhalten und zu reparieren.

Ein Felsen mit dem Baum des Reisenden mit Blick auf einen Strand auf der Insel Sainte Marie im Nordosten Madagaskars

Pirateninsel Sainte Marie, Madagaskar

Besonders zwischen in den Orten Tamatave und Antongil sowie auf der vorgelagerten Insel Sainte Marie  (Nosy Boraha), hielten sich die Freibeuter sehr gerne auf. Diese Insel übrigens bis heute von vielen Madagassen Pirateninsel genannt und Interessierte können einen Piratenfriedof besichtigen.

Piratennester fanden sich auch weiter im Norden Madagaskars, in Antalaha, Vohemar und Diego Suarez. Die Bucht von Diego Suarez bot ein gutes Versteck vor feindlichen Schiffen, und hier soll auch die sagenumwobene Piratenrepublik Libertalia angesiedelt gewesen sein.

An der zum Kanal von Mosambik gewandten Westküste Madagaskars hielten sich dagegen weniger Seeräuber auf. Nur an wenigen Orte, wie in Massily im Nordwesten und Saint-Augustin im Südwesten siedelten sie.

Seeräuber hatten sich von der Gesellschaft abgesondert. Sie waren Gesetzeslose ohne Heimat, viele lebten in einer Art Anarchie mit Ihresgleichen. Innerhalb dieser Freibeuter-Sippe galten jedoch strenge Regeln und hohe Werte: Diebstahl untereinander war verpöhnt und in Kämfen stand man sich bei bis zum Ende. Die Beute wurde gerecht aufgeteilt und jeder Pirat konnte seinen Anteil nach eigenem Ermessen einsetzen, verkaufen oder sparen. Wurden Lebensmittel erbeutet, so wurden mit diesen ausufernde Feste gefeiert. Zu den bekannteren Freibeutern im Indischen Ozean gehörten unter anderem Thomas White oder Nathaniel North.

Die Piraterie in Madagaskar begann 1685 zu florieren und hielt etwa 40 Jahre an. Danach ebbten die Aktivitäten dort ab und die Seeräuberei zerfiel bis Mitte des 18. Jahrhunderts kontinuierlich. Viele der Piraten ließen sich anschließend entlang der Küste nieder, gründeten dort Familien mit Madagassinnen und lebten von Landwirtschaft und Handel – und hin- und wieder auch von der Ausbeutung benachbarter Orten. Die Nachkommen dieser in Madagaskar sesshaft gewordenen Freibeuter und ihren einheimischen Frauen nennt man Malata.

Wieviele Piraten sich wirklich in Madagaskar aufhielten ist nicht bekannt. Die Schätzungen liegen zwischen 400 bis zu 1550 Mann. Auch ob es die Republik Libertalia wirklich gegeben hat ist bis heute ungewiss.

Wer mehr über die Piraten in Madagaskar und ihr Leben erfahren möchte ist bei PRIORI richtig:

Das Geheimnis der Insel Nosy Lava

Madagaskar steht für Lemuren, Chamäleons und Reptilien sowie unzählige endemische Tier- und Pflanzenarten, für Reis und für rote Erde. Doch die Insel Madagaskar ist mehr.

Mit einer Tour auf die Insel Nosy Lava vor der Nordwestküste im Kanal von Mosambik können Reisende tiefe Einblicke in einen bis heute lebendigen Teil der madagassischen Geschichte erhalten.

Anfahrt mit dem Boot von Analalava nach Nosy Lava mit Blick auf türkisblaues Wasser und weiße Strände vor karger Landschaft.

Die Anfahrt von Analalava zur Insel Nosy Lava – türkisblaues Wasser und weiße Sanstrände.

25 Kilometer sind es vom madagassischen Festland zur Insel Nosy Lava, die in der Bucht von Narida (Baie de Narida) nördlich von Mahajanga liegt. Die Insel ist acht Kilometer lang und sechs Kilometer breit und gilt als fast unbewohnt.

Auf den ersten Blick sieht das Eiland tropisch schön aus, wie es vor der Küste liegt. Weißer Kalkstein und savannenartige karge Landschaft, umgeben von türkisfarbenem Wasser und ein weiter Sandstrand prägen das Bild. Nosy Lava ist eine von mehreren Inseln, die hier kurz vor dem Festland im Kanal von Mosambik liegen. Die Gegend ist beliebt für Segeltouren entlang Madagaskars Küste.

Die „Langen Insel“, wie Nosy Lava übersetzt heißt, hat jedoch eine Besonderheit. Eine tragische Besonderheit, die aus der Kolonialzeit rührt und die bis heute nicht wirklich an die Bevölkerung oder Reisende herangetragen wird.

Nosy Lava war ein Straflager. Von 1911 bis 2000 wurde die Insel als Standort für ein Hochsicherheits-Gefängnis mit bis zu 700 Inhaftierten genutzt.

Das Gefängnis wurde 1911 von der Französischen Kolonie in Betrieb genommen und diente als Straflager für politische Rebellen und Widerstandskämpfer gegen die Kolonialmacht. Die meisten Inhaftierten waren zu lebenslanger Haft oder zur Todesstrafe verurteilt.

Im Jahr 1960 wurde Madagaskars Unabhängigkeit ausgerufen. Dennoch wurden die Inhaftierungen auf Nosy Lava fortgeführt.

Ruinen des ehemaligen Gefängnisses auf der Insel Nosy Lava im Nordwesten Madagaskars. Copyright PRIORI Reisen.

Ehemaliges Gefängnis auf der Insel Nosy Lava im Nordwesten Madagaskars.

Auch nach der Demontage des sozialistischen Regimes in den 1980er Jahren führte nicht zur Schließung des Gefängnisses. Noch immer saßen dort Häftlinge, deren Verurteilung auf die französische Verwaltung von vor 1960 zurückging. Und die Einrichtung erhielt weiter Häftlinge – trotz fehlender Finanzierung und fehlender Wartung der Räumlichkeiten. Die Verwaltung konnte es sich mit der Zeit nicht mehr leisten, die Gefangenen mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Dies führte zu einer absurden Handhabung:

Die als weniger gefährlich eingestuften Inhaftierten wurden in Halbfreiheit auf der Insel gehalten: Sie hatten tagsüber freien Auslauf auf der Insel, damit sie etwas zu essen finden und selbst ihren Lebensunterhalt verdienen konnten. Einige gingen fischen und verkauften den Fang an die Dorfbewohner am anderen Ende der Insel, andere bauten Maniok an oder brannten Toka gasy, den lokalen Rum. Auf der Insel entstand so ein Tauschhandel. Manche Häftlinge wurden auch ohne Gegenleistung von den Inselbewohnern versorgt und als Mitbürger angesehen.

Im Laufe der Zeit wurde das Gefängnis und die Gefangenen von Nosy Lava vergessen. Es gab Gefangene, die ihre Strafe längst abgebüßt hatten, aber dennoch mangels Alternative auf der Insel blieben.

Es finden sich nur wenige Informationen und Dokumente über das Gefängnis auf Nosy Lava.

Unklar ist zum Beispiel, anhand welcher Kriterien dieser Ort ausgewählt wurde, ebenso wie die genaue Anzahl der Inhaftierten, oder die Gründe für deren Verurteilung.

Ruinen auf Nosy Lava zwischen Gebüsch und Palmen.

Auf dem weitläufigen Gefängnis-Gelände auf Nosy Lava stehen zahllose Ruinen.

Der madagassische Journalist Rivoherizo Andriakoto hat in seiner Reportage mit dem Titel „Die Verdammten dieser Erde“ (im Original „Les Damnés de la Terre“) Informationen zur Strafanstalt auf der Insel vor und nach 1960 dokumentiert. Sie erschien im Jahr 1998 und wurde kurz darauf als gleichnamige Dokumentation verfilmt.
Der Film erhielt den französischen Albert Londres-Preis im Jahr 2000 und wurde daraufhin im Madagassischen Nationalfernsehen und auch in weiteren Ländern ausgestrahlt. Dies hatte einen solchen Einfluss, dass der damalige Präsident Madagaskars, Didier Ratsiraka, gezwungen wurde, alle Verurteilten, die noch auf der Insel gehalten wurden, freizulassen. Darunter waren viele eigentlich längst begnadigte Rebellen und Gefangene, wie u.a. Zebudiebe, die mehr als die zehnfache Zeit ihrer Verurteilung dort abgesessen hatten.

Das Gefängnis wurde offiziell im Jahr 2000 geschlossen. Noch heute leben vier ehemalige Gefangene auf der Insel oder in Analalava.

Sie arbeiten als Fischer, Wächter oder auch Guides für Besichtigungen auf Nosy Lava.
Seit Jahren versuchen sie, gemeinsam mit dem ehemaligen Gafängnis-Leiter von Analalava, ihre Anträge auf Begnadigung beim Präsidenten der Republik durchzubekommen.

Das weite Gelände des ehemaligen Gefängnisses reicht fast bis an den Strand. Die Ruinen dienen als Unterstand für Fischer. Der Anblick der Zellentüren, der hohen Mauern und des Verwaltungsgebäudes lassen die Geschichte lebendig werden. Mit den stark verwitterten Bauwerken, eingewachsenen Lianen, Sträuchern und schönen Perspektiven durch Fenster- und Türfronten finden Interessierte zahlreiche surreale Fotomotive.

Anreise:
Als Ausgangspunkt für Tagestouren auf die Lange Insel, eignet sich der Fischerort Analalava. Er liegt etwa 60 Kilometer westlich von Antsohihy auf der Hauptroute RN6 und ist per Boot oder – in der Trockenzeit – über die Piste RN31 zu erreichen.

PRIORI bietet individuelle Touren nach Analalava und Nosy Lava an. Mit PRIORI können Sie auch einen der ehemals Gefangenen treffen. Nehmen Sie Kontakt zu uns auf!

Tourismus in Madagaskar

Der Tourismus in Madagaskar ist (noch) nicht weit verbreitet. Die Insel zählt bislang nicht zu den bekannten Destinationen für westliche Reisende.

Im Jahr 2013 kamen ca. 240.000 Reisende nach Madagaskar. Die meisten Touristen in Madagaskar sind Franzosen, gefolgt von Reisenden aus Deutschland, Italien, der Schweiz und Grossbritannien. Vor allem die einzigartige Pflanzen- und Tierwelt der Insel interessieren die Besucher.

Schon etliche Jahre versucht Madagaskar den Tourismussektor auszubauen, damit das Land Einnahmen generiert und von Devisen profitieren kann. Aufgrund der instabilen politischen Lage und einer teils fehlenden Infrastruktur, vor allem der Verkehrswege, war dieses Vorhaben bislang nur mäßig erfolgreich.

Sonnenaufgang in Vatomandry, Madagaskar